Wie entsteht der Strompreis?

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Mit den steigenden Stromkosten des vergangenen Jahres sind zahlreiche Fragen seitens der Verbraucher:innen verbunden. Warum steigen die Preise, wenn ein großer Teil des Stroms aus heimischer Wasserkraft oder anderen erneuerbaren Energieformen gewonnen wird? Welcher Logik folgen die Märkte? lebenswelten hat sich die Situation angesehen.

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Dazu müssen die Grundlagen des Strompreishandels und dessen Hintergründe erklärt werden. Die Preise orientieren sich an nationalen und internationalen Handelsplätzen (Strombörsen) sowie am bilateralen Großhandelsmarkt (OTC, „over the counter“). Wie auf allen Börsen gelten hier die Gesetze des Marktes: Angebot und Nachfrage bestimmen maßgeblich den Preis.

Stromhandel einfach erklärt

Beim Stromhandel wird nach der Logik von standardisierten börsengehandelten Termingeschäften gearbeitet. Am Terminmarkt wird der Strom für die nächsten Jahre gehandelt – was für eine längerfristige Preissicherheit sorgt, sowohl bei Erzeugern als auch für die Endkund:innen. Es wird zu einem gewissen Datum Strom zu einem fixen Preis ge- bzw. verkauft, der dann im jeweiligen Lieferjahr zu eben diesem vordefinierten Preis geliefert wird. Dabei werden langfristig die Standardprodukte (Base, Peak) abgedeckt, die einerseits den laufenden Grundbedarf und andererseits die berechneten Spitzen zwischen 8 und 20 Uhr beschreiben. Am sogenannten Spotmarkt (auch Day-Ahead-Markt) wird die langfristige Planung tagesaktuell durch Ausgleichsmengen optimiert. Dies ist notwendig, da es zu Schwankungen im Verbrauch (z.B. durch sehr kalte Temperaturen) und in der Erzeugung (z.B. durch geringe Zuflüsse bei der Wasserkraft) kommen kann. Dabei wird jeweils der Strom für den nächsten Tag gehandelt. In Summe wird so der Gesamtbedarf an Strom beschafft und der Bedarf möglichst ganzheitlich abgedeckt.

Und jetzt stellt sich direkt die Frage: Wozu Strom verkaufen, wenn er doch so dringend selbst benötigt wird? Dabei sind zwei Punkte ganz essentiell: Erstens, die Zeiten von Stromproduktion und -verbrauch passen nicht immer zusammen und zweitens kann Strom nur sehr bedingt gespeichert werden . Denn im gesamten Energiesystem – auch über Österreich hinaus – muss sichergestellt sein, dass sich Angebot und Nachfrage stets die Waage halten. Die physikalische Verantwortung liegt dabei bei den Netzbetreibern bzw. dem „Regelzonenführer“. In Österreich ist dies die APG. Auftretende Spitzen im Netz müssen stets ausgeglichen werden, entweder durch Ver- oder Zukauf der benötigten Mengen. Die Salzburg AG hat eine 50 Prozent Eigenerzeugungsquote, wobei bilanziell rund 30 Prozent der benötigten Energie aus eigener Wasserkraft stammt, der Rest wird an den Börsen gehandelt. Der wichtigste Handelsplatz für Terminmarktgeschäfte ist die europäische Spotbörse EEX mit Sitz in Paris. Ähnlich dem Börsenhandel können Geschäfte auch bilateral zwischen Händlern getätigt werden. Diese Art Stromgeschäfte zu fixieren wird auch „over the counter“-Transaktion genannt.

Kurzfristige Handelsgeschäfte für Lieferungen an den Folgetagen werden an den kurzfristigen Strombörsen dem sogenannten Spotmarkt (z.B. EPEX und EXAA) durchgeführt. Für jedes Marktgebiet wird an diesen eine eigene Auktion durchgeführt und ein eigener Preis ermittelt. Da Österreich der Strompreiszone AT angehört, wird auch hier ein eigener Strompreis ermittelt. Aufgrund der geografischen Beschaffenheit muss Österreich vor allem in den Wintermonaten Strom aus dem Ausland zukaufen, da hier die heimische Wasserkraft weniger Energie produziert. Auch begrenzte Netzkapazitäten in ausländischen Übertragungsnetzen wirken sich auf den österreichischen Strompreis aus. Die absoluten Preise der in Österreich gelieferten Energie liegen durchschnittlich etwas über dem Preis für Lieferungen in Deutschland.

So kommt der Strompreis zustande

Der Preis, den die Stromlieferanten am Großmarkt bezahlen bzw. für ihre gehandelten Strommengen bekommen, bildet sich im Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage. So wird beispielsweise an den Spot-Börsen für jede Stunde des nächsten Tages ein eigener Preis ermittelt, abhängig vom prognostizierten Verbrauch. Über jeden Liefertag entsteht ein zeitlicher Preisverlauf, der von zahlreichen Faktoren abhängig ist. Ein wesentlicher Aspekt sind dabei die variablen Gestehungskosten der eingesetzten Erzeugungseinheiten. Diese beschreiben die Kosten, die notwendig sind um eine andere Energieform in elektrischen Strom umzuwandeln.

Die Preisfindung folgt grundsätzlich dem „Merit Order-Prinzip“. Dabei werden die Verkaufsangebote aufsteigend vom niedrigsten bis zum höchsten Preis gereiht. Die Kraftwerke werden daher nach ihren Gebotspreisen, die sich an den jeweiligen variablen Gestehungskosten orientieren, sortiert. Das Angebot mit dem höchsten Preis, das noch gebraucht wird, um die Strom-Nachfrage zu decken, bestimmt dann den Preis für die Stunde. Das bedeutet, dass das letzte notwendige teuerste Kraftwerk für diesen Zeitraum den Preis für die gesamte gehandelte Strommenge an der jeweiligen Börse festlegt. Durch den extrem gestiegenen Gaspreis, steigen auch die Stundenpreise für den Strom deutlich an, da diese fossilen Kraftwerke die letzten laut Merit Order-Prinzip sind und demnach den Preis für alle nach oben treiben. Dies ist nicht einzigartig für den Strommarkt, auf allen Märkten für „homogene“ (austauschbare) Ware – wie auch Weizen, Erdöl oder Kupfer – ist dies der gängige Preisbildungs-Mechanismus.

Gerade im Winter, wenn Wasserkraft nicht so viel zur Stromerzeugung beisteuern kann, sind die Preise auf der Börse höher, da mehr Erzeugung aus fossilen Kraftwerken (etwa Gas) zur Energieabdeckung gebraucht wird. Damit ergibt sich direkt der Umkehrschluss: je mehr die erneuerbaren Energiequellen – wie Wasser- und Windkraft sowie Photovoltaik – ausgebaut werden, desto weniger müssen die teuren fossilen Kraftwerke hinzugeschalten werden und der Strompreis sinkt ganz natürlich ab. Zudem fördert der Ausbau erneuerbarer Energieerzeugung den Klimaschutz, reduziert die CO2 Emissionen und treibt die Energiewende voran – das sollte ohnehin als übergeordnetes Ziel gelten.

Strompreiszusammensetzung in Prozent bei der Rechnung der Salzburg AG © E-Control / Oesterreichs Energie
Strompreiszusammensetzung in Prozent bei der Rechnung der Salzburg AG © E-Control / Oesterreichs Energie

Zusätzlich zum reinen Energiepreis, der rund 50 % der Stromrechnung ausmacht, kommen für die Verbraucher:innen noch Steuern und Abgaben, festgelegt durch Bund, Länder oder Städten und Gemeinden, sowie das sogenannte Netznutzungsentgelt, das durch die E-Control festgelegt wird. Dieses geht an die jeweiligen Netzbetreiber und setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. So entsteht schließlich der Strompreis, der mit der jährlichen Abrechnung hereinflattert.

Stromkaufmodell bei der Salzburg AG

Als regionaler Energieerzeuger hat die Salzburg AG die Verantwortung für die Strombeschaffung für ihre Kund:innen. Dabei wird der Strom über einen langen Zeitraum rollierend beschafft, damit das Risiko, genau zum falschen Zeitpunkt einen teuren Preis zu erwischen, gestreut werden kann. Dieser Zeitraum wird mit ca. 2 Jahren festgelegt um auch bei steigenden Preisen länger niedrige Verkaufspreise an die Abnehmer:innen weitergeben zu können. Dies hat einerseits den Vorteil, dass steigende Börsenpreise, wie beispielsweise zu Höchstzeiten 2022 rund 1.000 €/MWh, nicht direkt an die Kund:innen weitergegeben werden müssen. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass Preisrückgänge aufgrund der bereits fixierten Mengen erst zeitverzögert ankommen.

Um die angespannte Preis-Situation zu verbessern, wurden zahlreiche Maßnahmen gesetzt – einerseits durch steuerliche Erleichterungen und andererseits durch direkt auf die Energiekosten einwirkende Maßnahmen, sowohl durch staatliche Förderungen, als auch durch konkrete Aktionen der einzelnen Stromversorger. Eine kompakte Übersicht der aktuell verfügbaren Maßnahmen für das Bundesland Salzburg findest du hier.

Eine Zusammenfassung zur Entstehung des Strompreises ist im Video der E-Control, der die unabhängigen Strom- und Gas-Regulierungsbehörde für alle Konsument:innen in Österreich, zu finden:

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