VOM KINDHEITSTRAUM ZUM ZUKUNFTSLABOR

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Was passiert, wenn ein Kindheitstraum nie ganz verschwindet? Bei Roman Wallinger, der bei der Salzburg AG im Bereich IT Security & Governance, tätig ist, wurde daraus eine Idee, die heute hunderte Kinder erreicht.

In seinen robo.camps geht es nicht nur um Technik, sondern um Selbstvertrauen, ums Ausprobieren und um diesen einen Moment, in dem aus Unsicherheit Begeisterung wird. Ein Gespräch über Neugier, Verantwortung und den Moment, wenn plötzlich der Funke überspringt.

Inhaltsverzeichnis

Ich bin vor allem offen für Neues

Herr Wallinger, Sie arbeiten in der IT der Salzburg AG – gleichzeitig haben Sie mit den robo.camps ein Projekt ins Leben gerufen, das viele Kinder begeistert. Wie würden Sie sich selbst beschreiben?
Ich bin wahrscheinlich von allem ein bisschen – aber vor allem jemand, der offen für Neues ist. Die Idee zu den robo.camps ist ja auch genau so entstanden: an einem langen Winterabend. Ich habe mich daran erinnert, dass ich als Kind immer einen Roboter bauen wollte – so wie in den Comics. Aber ich hatte damals weder das Wissen noch die Möglichkeiten dazu. Irgendwann habe ich mir gedacht: Mittlerweile müsste ich das doch schaffen.

Woher kam diese Faszination für Robotik?
Die war eigentlich immer da. Dieser Wunsch, etwas Eigenes zu bauen, etwas zum Leben zu erwecken. Aber früher war das einfach nicht zugänglich. Es gab kein Internet, keine Tutorials, keine einfachen Einstiegsmöglichkeiten. Das hat mich lange begleitet – auch als ich schon längst in der IT gearbeitet habe.

Sie haben sich diesen Traum später tatsächlich erfüllt. Wie war das?
Ich habe mir dann einfach die notwendigen Teile bestellt und angefangen. Drei Monate später war mein erster Roboter fertig – und das war schon ein richtiges Erfolgserlebnis. Ich habe zwar klein angefangen, aber für mich war das der Moment, wo ich gemerkt habe: Es funktioniert. Und dieses Gefühl ist mir bis heute im Kopf geblieben.

2017 haben Sie das erste robo.camp organisiert – noch ganz privat. Wie ist das damals abgelaufen?
Im ersten Jahr habe ich das nebenbei in meiner Freizeit gemacht. Auch heute ist immer noch viel Aufwand für die Vorbereitung und Nachbereitung nötig. Aber wenn Begeisterung bei den Kindern entsteht, steigt auch die Motivation, seine Zeit dafür einzusetzen.

Über 600 Kinder haben wir mit den robo.camps bisher erreicht.

Wann ist die Salzburg AG ins Spiel gekommen?

Im zweiten Jahr ist das Roboter-Projekt gewachsen, weil ich die Idee im Innovationsprogramm der Salzburg AG eingereicht habe. Ab diesem Punkt hat sich viel entwickelt: Die robo.camps werden seitdem als Kooperation mit der Salzburg AG angeboten. Es ist in allen Belangen gewachsen und hat sich entwickelt. Mittlerweile konnten wir mit den robo.camps schon mehr als 600 Kinder erreichen.

Was motiviert Sie, auch nach zehn Jahren so viel Zeit in die robo.camps zu investieren?

Es ist ein Mix: persönlicher Antrieb, aber auch der Nutzen für viele. Die Kinder lernen etwas, Eltern haben eine sinnvolle Betreuung, und auch für das Unternehmen entsteht ein Mehrwert. Dieses Gesamtbild motiviert mich.

Die größte Herausforderung sind oft die Schrauben

Was passiert in einer typischen robo.camp-Woche?
Wir starten tatsächlich bei null. Am Anfang geht es darum, ein Gefühl für Stromkreise zu bekommen, Bauteile kennenzulernen und zu verstehen, wie alles zusammenspielt. Und dann wird Schritt für Schritt gebaut, ausprobiert und programmiert. Am Ende der Woche steht immer ein funktionierender Roboter – den die Kinder immer mit nach Hause nehmen – und auch ein gewisser Stolz. Viele gehen ganz anders raus, als sie am ersten Tag reingekommen sind.

Was fällt den Kindern am schwersten?
Überraschenderweise oft gar nicht das Programmieren, sondern die Mechanik – also das Schrauben, das Zusammenbauen, das genaue Arbeiten. Da merkt man schnell, wer Geduld hat. (schmunzelt) Es gibt immer wieder Momente, wo ein Kind vor einem Haufen Einzelteile sitzt und sagt: „Das schaffe ich nie.“ Und genau da beginnt eigentlich der spannende Teil.

Und was fasziniert die Kinder in den Camps am meisten?
Ganz klar eben dieser eine Moment, wenn es plötzlich funktioniert. Wenn sich der Roboter zum ersten Mal bewegt, auf ein Signal reagiert oder eine Aufgabe erfüllt. Da wird es oft richtig laut im Raum – da wird gelacht, gerufen, manchmal auch einfach nur ungläubig geschaut. Das sind die Momente, in denen man sieht: Jetzt hat es „Klick“ gemacht.

 

Gibt es solche „Magic Moments“, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Ja, viele! Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Buben, der am Anfang der Woche eher zurückhaltend war und sich kaum getraut hat, etwas auszuprobieren. Beim Programmieren hat es dann plötzlich funktioniert – und er hat seinen Roboter stolz den anderen präsentiert. Am letzten Tag wollte er gar nicht mehr aufhören und hat schon gefragt, wie er zuhause weitermachen kann. Und solche Geschichten gibt es öfter. Rund 30 Prozent der Kinder kommen wieder – manche mehrere Jahre hintereinander. Da sieht man richtig, wie sich Interessen entwickeln und Selbstvertrauen wächst.

Gibt es Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Teilnehmer:innen?
Ja, definitiv. Die Jüngeren gehen oft ganz unvoreingenommen an die Sache heran – die probieren einfach aus, ohne lange nachzudenken. Die Älteren, ab zwölf Jahren, werden ebenfalls auf der grünen Wiese abgeholt. Allerdings ist bei den Kids die Aufmerksamkeitsspanne schon höher und das lässt schon etwas anspruchsvollere Robotik-Projekte zu. Trotzdem merken die Teilnehmer:innen sehr schnell, dass es nicht um Perfektion geht, sondern ums Ausprobieren.

Weg vom Konsumieren – hin zum Gestalten

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der robo.camps?
Dass sie weiterhin bestehen und sich mit dem Wandel mitentwickeln. Auch wenn die technologische Basis gleichgeblieben ist, so verändert sich doch die Ausgangssituation der teilnehmenden Kinder rasant. Viele kommen heute mit ersten digitalen Erfahrungen – aber oft als Nutzer:innen, nicht als Gestalter:innen. Und genau diese brauchen wir aber in Zukunft.

Wo sehen Sie aktuell die größte Herausforderung im MINT-Bereich?
Wir erleben gerade eine enorme Dynamik rund um KI und digitale Technologien. Gleichzeitig hinkt das Bildungssystem hinterher. Programmieren oder ein echtes Verständnis für Technologie findet oft nur am Rand statt – wenn überhaupt. Das führt dazu, dass viele Kinder zwar täglich mit digitalen Tools umgehen, aber nicht verstehen, was dahintersteckt. Und genau hier setzen die robo.camps an: Es geht nicht darum, IT-Expert:innen auszubilden. Es geht darum, ein Grundverständnis zu schaffen – damit Kinder später fundierte Entscheidungen treffen können. Oder anders gesagt: weg vom reinen Konsumieren, hin zum aktiven Gestalten.

Welche Rolle spielen dabei Initiativen wie jene der Salzburg AG?
Unternehmen können hier eine wichtige Brücke schlagen. Die robo.camps zeigen, wie man Kindern frühzeitig einen Zugang ermöglicht – praxisnah, niederschwellig und mit echter Betreuung. Das ist kein Ersatz für Schule, aber ein wichtiger Impuls. Gerade weil die Nachfrage so hoch ist, sieht man, wie groß der Bedarf ist.

Ihr Fazit?

Der Zug Richtung digitaler Zukunft fährt längst – und das ziemlich schnell. Die Frage ist nicht mehr, ob Technologie unseren Alltag prägt, sondern wie bewusst wir damit umgehen. Initiativen wie die robo.camps sind ein Schritt in die richtige Richtung, weil sie genau dort ansetzen, wo Zukunft beginnt: bei den Kindern.

Einwöchige Technik-Camps für Kinder und Jugendliche (ca. 8–15 Jahre), in denen spielerisch Roboter gebaut und programmiert werden – ganz ohne Vorkenntnisse.

Was lernen die Teilnehmer:innen?

  • Grundlagen von Elektronik & Programmierung
  • Arbeiten mit Mikrocontrollern (z. B. Arduino)
  • Eigenständiges Lösen von Problemen
  • Kreatives Denken & technisches Verständnis

Mehr Infos gibt es hier

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