Mit intelligentem Stromzähler in die Zukunft

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Bis 2024 müssen 95% aller analogen Stromzähler im Bundesland Salzburg durch eine intelligente Variante, sogenannte Smart Meter, ersetzt werden. Dies bestimmt die gesetzliche Grundlage der „Intelligenten Messgeräte-Einführungsverordnung“ (IME-VO). Doch wozu der Aufwand? Welche Vorteile haben die neuen Geräte?

Die Salzburg Netz GmbH, 100 %-ige Tochter der Salzburg AG, hat bereits 58,7 Prozent sprich mehr als 250.000 Stück aller mechanischen Zähler im Bundesland auf Smart Meter ausgetauscht. Dies basiert auf dem Beschluss aller EU-Staaten, das System intelligent zu machen um die Inklusion von erneuerbaren Energieformen zu erleichtern sowie das Energiesparen in der Gesellschaft anzustoßen. Demnach besteht für die Netzbetreiber eine gesetzliche Verpflichtung Endverbraucher:innen mit einem Smart Meter auszustatten. Kund:innen werden zuvor zeitnah über den Einbau sowie die damit verbundenen Rahmenbedingungen informiert. Der Status kann online jederzeit eingesehen werden.

Montage neuer Smart Meter Geräte © Neumayr Fotografie - Christian Leopold/Salzburg AG
Smart Meter ersetzen die alten mechanischen Stromzähler.

Vorteile durch smarte Technologie

Die digitalen Stromzähler sind in der Lage, alle 15 Minuten den aktuellen Verbrauch festzuhalten und diesen einmal täglich an den Netzbetreiber zu übermitteln. Dies bringt zahlreiche Vorteile sowohl für die Kund:innen als auch für die Netzbetreiber:

  • Bequem: Bisher musste in der Stadt jedes Jahr ein:e Mitarbeiter:in des Netzbetreibers bei jedem Stromzähler eine Ablesung durchführen. Am Land mussten die Kund:innen dies selbst tun und den Zählerstand übermitteln, mit einer zusätzlichen Überprüfung alle drei Jahre durch die Salzburg Netz GmbH. Durch die digitale Übermittlung entfällt dieser Schritt und man muss sich um Nichts mehr kümmern.
  • Informativ & sparsam: Durch die zur Verfügung gestellten Webportale der Netzbetreiber kann direkt der tatsächliche Stromverbrauch einsehen werden. Je nach Konfiguration können das bis zu 15-Minuten Werte sein. Dies hilft bei der Identifikation und dem Tausch von Stromfressern im Haushalt.
  • Frühwarnung: Auch Netzstörungen können umgehend angezeigt werden. Dies hat den Vorteil, dass schneller auf etwaige Ausfälle reagiert und die Stromversorgung wieder sichergestellt werden kann.
  • Energiewende & Klimaschutz: Durch die zunehmend dezentrale Stromerzeugung – aufgrund vieler kleiner Erzeugungsanlagen, wie Photovoltaik am Dach oder lokale Energiegemeinschaften – ist die zeitnahe Messung von Erzeugungs- und Verbrauchsdaten unverzichtbar geworden. Ohne diese wäre es beispielsweise nicht möglich, die jeweiligen Einspeisungen und den Verbrauch zu messen, zu zuordnen und abzurechnen.
  • Netzplanung: Die durch die Smart Meter zur Verfügung gestellten Daten unterstützen die Netzplanung. Die konkreten Informationen zu Spannungsqualität und Verbrauch helfen dabei zu erkennen, wo es dringenden Bedarf der Nachrüstung gibt und welche Gebiete ohnehin gut versorgt sind.
 

Bei einem Opt-Out Wunsch wird der neue Zähler dennoch installiert – denn das ist gesetzlich erforderlich – doch es werden keinerlei aktuelle Verbrauchswerte erfasst oder übermittelt. Vielmehr funktioniert dieser Blind Meter dann als digitaler Stromzähler, dessen Zählerstand einmal im Jahr zur Ermittlung des gesamten Verbrauchs für die Rechnungslegung durch den  Netzbetreiber von der Ferne ausgelesen wird.

© Marc Haader/Salzburg AG
Zunehmende Einspeißungen etwa durch volatile Energieformen wie PV-Anlagen stellen das Stromnetz vor neue Herausforderungen.

Smart Grid & Smart Home

Der Einbau von Smart Metern spielt eine zentrale Rolle in der Energiewende. Energiegewinnung aus Wasserkraft, Wind oder PV-Anlagen ist größeren Schwankungen ausgesetzt, als die konstanten fossilen Energieerzeugungsformen. Damit der so wichtige Umstieg auf die nachhaltigen Energieformen stattfinden kann, braucht es eine engmaschige Messbarkeit des aktuellen Energieverbrauchs. Diese sogenannten Smart Grids sind hierbei der Entwicklungsschritt, bei dem die Stromerzeuger (egal ob Privathaushalt oder Wasserkraftwerk), Netzbetreiber, Endkonsument:innen und Speicher direkt miteinander vernetzt sind.

Auch die Vernetzung von Geräten innerhalb des Haushaltes über eine Smart Home Technologie benötigt einen zuverlässigen Systembetrieb. Von Kühlschränken, die direkt Lebensmittel nachbestellen, über programmierbare Lichtsysteme bis hin zu Waschmaschinen, die via App gesteuert werden. Smarte Geräte brauchen die Verbindung zu einem smarten Netz sowie eine stabile Stromversorgung. Immer mehr Menschen holen sich beispielsweise neben einer PV-Anlage auch eine Lademöglichkeit (Wallbox) für ihr E-Auto nach Hause. Damit all diese Geräte auch sicher mit Strom versorgt werden, muss in der Netzsteuerung schnell auf Spitzen und Schwankungen reagiert werden können.

Beleuchtete Stadt Salzburg von Oben, Visualisierung eines Smart Grids © Alex Schwarz / gettyimages
Um die Stromnetze künftig noch besser zu vernetzen werden Smart Grids benötigt, die schnell auf Schwankungen reagieren können.

Datenverlust und Hacking?​

Bei der Übertragung von Daten stellt sich die Frage nach der Datensicherheit. Hier können besorgte Bürger:innen aufatmen: Netzbetreiber unterliegen strengsten Datenschutzrichtlinien, haben gemeinsam mit der Datenschutzbehörde „Verhaltensregeln zur Verarbeitung von mit intelligenten Messgeräten erhobenen personenbezogenen Daten“ vereinbart und eine Überwachungsstelle eingerichtet. Mit den Geräte- und Systemherstellern wurden modernste Verschlüsselungstechnologien etabliert, welche mit den Standards im Bankenbereich vergleichbar sind. Die Smart Meter Daten werden nicht laufend, sondern einmal täglich über eine separate Datenverbindung direkt zum Netzbetreiber übertragen. Es werden nur jene Daten ausgelesen, die für Verrechnung sowie Netzstabilität relevant sind. Persönliche Daten werden nicht über diese Datenverbindung übertragen, ebenso wenig wie genaue Informationen, wofür ein:e Kund:in den Strom einsetzt. Lediglich Verbrauchsspitzen werden erkannt, die dann selbst mit dem eigenen Verhalten (z.B. Waschmaschine eingeschalten) verbunden werden können. Für den Netzbetreiber sind ausschließlich die gesammelten Verbrauchsmengen zu sehen.

Bereits seit vielen Jahren gibt es Erfahrungen mit einem ähnlichen System, den sogenannten Lastprofilzählern. Diese werden bei Großkund:innen eingesetzt, um deren Verbrauch besser servicieren bzw. abrechnen zu können. Das gemessene Lastprofil wird über die Zählerfernauslesung an ein zentrales System übertragen, zur Netzbilanzierung und für die Abrechnung herangezogen und an den jeweiligen Energielieferanten übermittelt. Dabei kam es bisher weder zu Datenschutz- noch zu Sicherheitsproblemen.

Insgesamt betrachtet sind die Smart Meter nützliche Werkzeuge für die Umsetzung der Energiewende. Die Umstellung hilft nicht nur dabei, die Netze intelligenter zu machen, sie ist ein wichtiger Schritt für den sicheren Betrieb der Strominfrastruktur im Bundesland Salzburg und bildet die Basis für die Energieversorgung der Zukunft. Einerseits um den Ausbau der Erneuerbaren Energie weiter vorantreiben zu können, andererseits um den immer stärker aufkommenden Energiegemeinschaften eine Vielzahl an Nutzungsmöglichkeiten zu bieten. Den Kund:innen mehr Transparenz und Selbstbestimmtheit in ihrem Stromverbrauch an die Hand zu geben ist für das Green Tech Unternehmen Salzburg AG sowie die 100 %-ige Tochter Salzburg Netz GmbH von zentraler Bedeutung – #WIRARBEITENDRAN.

Salzburg AG TV hat den Einbau eines Smart Meters begleitet und den Prozess von der Entnahme aus dem Lager bis zur Inbetriebnahme transparent beleuchtet:

 

Ablauf des Zählertausches auf Smart Meter:

  • Zeitgerechte Information über den Tausch an die Kund:innen per Brief
    • Informationen zu den Wahlmöglichkeiten (Smart Meter, Prime Meter, Blind Meter)
    • Weitere Rahmenbedingungen zum Zählertausch
  • Installation durch den Monteur zum ausgemachten Zeitpunkt vor Ort
    • Der Strom wird zur Sicherheit für ca. 15 Minuten abgeschaltet, in Mehrparteienhäusern etwas länger
  • Nach dem Tausch erhalten die Kund:innen wiederum eine Information per Brief
    • Alter und neuer Zählerstand sowie alte und neue Zählernummer
    • Hinweis auf das Kundenportal und das dortige Lastprofil (abhängig von den gewählten Einstellungen)

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