Mythen der E-Mobilität – Die Ökobilanz

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Es ist eine Erfolgsmeldung: Mehr als 110.000 rein elektrisch betriebene Fahrzeuge sind seit Ende 2022 auf Österreichs Straßen unterwegs. Trotz des stetigen Wachstums dieser Branche halten sich so manche Vorurteile gar hartnäckig. Im E-Mobilitäts-Mythencheck hat sich lebenswelten diese genauer angesehen und zeigt nachfolgend zentral Informationen auf. Diesmal geht es um die Ökobilanz: Wie sieht die im Lebenszyklus eines E-Autos aus?

Inhaltsverzeichnis

Bis zu 79 Prozent Klimavorteil

Wird die Energiebereitstellung betrachtet, so zeigt sich ein deutlicher „Klimavorteil“ für die E-Mobilität. Selbst beim Einsatz eines österreichischen Standard-Strommixes ergeben sich bis zu 60 Prozent weniger Emissionen (etwas geringer bei Oberklasse-Wägen), besonders gut wird diese Bilanz jedoch, wenn der Lade-Strom aus 100 Prozent erneuerbarer Energie stammt. So verursachen E-Autos über ihren gesamten Lebenszyklus bis zu 79 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen, als vergleichbare Verbrenner. Der aktuell ‚schlechteste‘ Faktor in der Ökobilanz sind die Rohstoffe, die zur Erzeugung der Batterie benötigt werden, da hier oftmals weiter Importwege und schlecht Arbeitsbedingungen in den Abbaugebieten angeführt werden. Jedoch lassen Funde von sogenannter „Seltener Erde“ in Kiruna (Schweden) (1) sowie neue Batterietechnologien, die effizienter sind und mit viel weniger diese Rohstoffe auskommen (2), auf eine Verbesserung hoffen.

Wiederum sehr positiv: E-Autos emittieren im Fahrbetrieb keine Stickoxide und bei Feinstaub nur noch den Anteil, der auf Reifen- und Bremsabrieb bzw. die Aufwirbelung zurückzuführen ist. Besonders im Stadtverkehr – oftmals unter 30 km/h – wird dadurch eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität erreicht. E-Autos sind im Vergleich zu Verbrennern effizient, leise und lokal abgasfrei – stoßen also im Betrieb selbst keine Treibhausgase oder Luftschadstoffe aus und sind vergleichsweise lärmarm. Insgesamt lassen sich die zusätzlichen Emissionen im Vergleich zu Verbrennungsmotoren bereits nach 35.000 (erneuerbarer Strommix) bis 45.000 (durchschnittlicher österreichischer Strommix) gefahrenen Kilometern wieder einsparen. In Österreich wird dieser Kilometerstand nach durchschnittlich 2 ½ bis 3 ½ Jahren ‚erfahren‘ (3), daher hat ein E-Auto bereits nach kurzer Zeit ein Umweltvorteil im Vergleich zu den gängigen Verbrennungsmotoren.

 

Laden eines E-Autos © Georg Kukuvec/Salzburg AG
Je mehr zurückgelegte Kilometer, desto besser ist die Umweltbilanz eines E-Autos im Vergleich zu konventionellen Verbrennern.


Downsizing und Zukunftsmodelle

Auch sehr wichtig ist die Wahl des Fahrzeugsegmentes sowie des konkreten Modelles. Nicht zu unterschätzen ist dabei das Downsizing, also der Einsatz kleinerer Fahrzeuge mit niedrigem Fahrzeuggewicht und kleineren Batteriekapazitäten. Dadurch können die Treibhausgas-Emissionen noch stärker reduziert werden und zudem wird ein weiteres Problem mit gelöst: der Flächenbedarf. Dies beschreibt den immensen Raum, den der Individualverkehr durch Parkplätze, Tiefgaragen etc. im öffentlichen Raum einnimmt. Das ganze Thema hat auch immer wieder breite Diskussionen ausgelöst, etwa zu Beginn diesen Jahres, als medial das Thema von möglichen höheren Parkgebühren für SUVs aufgekommen ist. Hier setzen auch Zukunftsmodelle wie weitflächige Sharing-Konzepte an. Diese würden nachhaltig auf das Flächenproblem wie auch auf eine deutlich geringere Umweltbelastung pro Kopf durch – teilweise noch notwendige – Individualmobilität einzahlen.

Ebenfalls ein zentrales Thema für die Zukunft: Recycling. Auch wenn es noch Jahre dauern wird, bis es genügend gebrauchte E-Batterien gibt, um den Recyclingprozess profitabel zu machen, arbeiten bereits jetzt zahlreiche Start-ups und Unternehmen an diversen Verfahren. Glücklicherweise sind schon jetzt viele Bestandteile in hohem Maße widerverwendbar. Gleichzeitig wird auch stetig an neuen Technologien geforscht, die eine Batterieerzeugung mit geringerem oder gar ohne den Einsatz von seltenen Erden ermöglichen. Man darf nicht vergessen, dass E-Fahrzeuge im Privatbereich bis in die frühen 2000er eher ein Nischenthema war und daher die Technologie auch noch im stetigen Wandel ist.

Zusammenfassend kann festgehalten werde: Im Vergleich der technologischen Alternativen – vor allem der vorherrschenden Verbrennungsmotoren – kann sowohl in der Energieeffizienz und den Treibhausgas-Emissionen als auch bei Luftschadstoff- und Lärmemissionen ein klarer Vorteil für die E-Mobilität festgestellt werden. Wenn sich die Technologie der Batterien sowie Recyclingmöglichkeiten noch weiterentwickeln, können immer mehr Argumente für diese Form der Mobilität angeführt werden.

Quellen & weiterführende Literatur:

Grundlage des Artikels: Faktencheck E-Mobilität vom Klima- und Energiefonds. 

Allgemeine Kennzahlen (Zulassungen, Anzahl an E-Fahrzeugen bzw.  Ladesäulen, etc.) rund um die E-Mobilität in Österreich können beim BEÖ nachgelesen werden.

(1) Rohstoffe: Großes Seltene-Erden-Vorkommen in Schweden gefunden – Golem.de

(2) Forscher schaffen Durchbruch in der Akku-Technik: E-Autos laden in 10 Minuten – EFAHRER.com (chip.de)

(3) Der Kilometerstand beim Auto: Was ist viel und auf was muss man achten? (autorevue.at)

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