Mythen der E-Mobilität – Strombedarf

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Der Umstieg auf E-Mobilität geht mit einem allgemein höheren Strombedarf einher. Damit dieser Bedarf gedeckt werden kann, soll vor allen Dingen der Ausbau erneuerbarer Energieformen forciert werden, um eine emissionsfreie Zukunft erreichbar zu machen. Im E-Mobilitäts-Mythencheck hat sich lebenswelten dieses Thema genauer angesehen und bringt Fakten auf den Tisch.

Mehr Strom – doch woher?

Ab dem Jahr 2035 dürfen laut EU Richtlinie nur mehr Pkws neu zugelassen werden, die lokal kein CO2 ausstoßen. (1) Bei einer solchen vollständigen Elektrifizierung würde der Strombedarf in Österreich gesamt um 21 Prozent steigen. Damit die Stromnetze dafür gewappnet sind, wird bereits seit vielen Jahren in deren Ausbau und Sicherung investiert, denn dieses ist das Rückgrat für die Ladeinfrastruktur. So auch beim Green Tech Unternehmen Salzburg AG. Nennenswerte Großprojekte der Salzburg AG 2023 umfassen dabei die Fertigstellung und Inbetriebnahme des Biomasse-Heizkraftwerkes Siezenheim II sowie der beiden Wasserkraftwerke Sulzau und Stegenwald. Auch das Zusammenschließen von lokalen Erzeugern und Abnehmern in Energiegemeinschaften wird immer wichtiger. Damit kann der erzeugte Strom direkt verwendet werden, ohne große Transportwege über das Netz.

Um neben diesem erhöhten Stromverbrauch gleichzeitig die Klimaziele zu erfüllen, muss der Strom zunehmend bzw. ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Klingt ambitioniert –  doch der Gesetzgeber unterstützt auch mit diversen Maßnahmen, wie dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz – EAG. Darin ist festgeschrieben, dass bis zum Jahr 2030 rund 27 TWh mehr erneuerbarer Strom erzeugt werden muss, was einer Gesamtsteigerung von rund 50 Prozent entspricht. Da Österreich speziell im Westen bereits sehr stark auf erneuerbare Energien wie etwa Wasserkraft setzt, gilt es diese Energiegewinnung bzw. bestehenden Kraftwerke zu optimieren sowie den Weg für zusätzliche Möglichkeiten der Energieerzeugung – etwa Windkraft – zu ebnen.

Zudem darf auch nicht darauf vergessen werden, dass aktuell sehr viel Strom dafür verwendet wird, aus Rohöl überhaupt „brauchbare“ Kraftstoffe zu machen. Es muss eine Temperatur von 400 Grad erreicht werden, um Benzin erzeugen zu können – ohne Einsatz von Hilfsenergie – sogenannte graue Energie – ist das nicht möglich. Wird Strom, der aktuell in den diversen Prozessen der  direkt in den Beitrieb von E-Fahrzeugen gesteckt, so ist bereits ein Teil dieser benötigten Energie aufgetrieben.

 

Kraftwerk Werfen © Marc Haader/Salzburg AG
Die Wasserkraftwerke der Salzburg AG sorgen für 100 Prozent Strom aus erneuerbarer Energie zum Laden der E-Autos.


Effizienz als Schlüssel zum Erfolg

Elektrofahrzeuge benötigen für dieselbe Strecke nur 23 bis 33 Prozent der Energie eines Fahrzeuges mit Verbrennungsmotor. Entscheidend dafür ist das Prinzip der Rekuperation, was bedeutet, dass durch den Bremsvorgang die Bewegungsenergie, die andernfalls verloren ginge, wieder in Strom rückgewandelt wird. Während konventionelle Pkws vor allem aufgrund von Wärmeverlusten einen Wirkungsgrad von etwa 25 Prozent erreichen (Tank to Wheel), so liegt dieser beim E-Auto bei rund 85 Prozent (Plug to Wheel). Dies bedeutet, dass sich laut Hochrechnungen bis 2040 aufgrund der höheren Effizienz des Elektromotos rund 60 Prozent des Energiebedarfs des Ladverkehrs in Österreich einsparen lässt.

Der Technologiewechsel alleine ist jedoch zur Erreichung der Klimaneutralität zu wenig: Es muss zeitgleich zu einer Verringerung des motorisierten Individualverkehrs und einer Steigerung des öffentlichen Verkehrs sowie der klimafreundlichen Bewegungsformen (Radfahren oder Zu-Fuß-Gehen) kommen. Besonders wichtig ist es dabei zu verstehen, dass E-Fahrzeuge hier einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie die notwendigen oder nicht anders bewältigbaren Wege klimafreundlicher ermöglichen. Dennoch muss gesamtgesellschaftlich ein Weg vom ineffizienten Allein-Fahren, hin zu einem Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes.

Intelligentes Netz und Zukunftsmusik

E-Fahrzeuge können durch ihre Speicherfunktion eine weitere wichtige Rolle in einem intelligenten Stromnetz einnehmen. Gegenwärtig tragen sie bereits zum Ausgleich von Lastschwankungen bei, da sie viel über Nacht geladen werden. Die Zukunftsvision geht ganz klar in ein bidirektionales Laden – aktuell technisch jedoch nur bei einigen, wenigen Modellen umsetzbar. Das bedeutet, dass die Batterie eines E-Fahrzeuges als intelligenter und effizienter Speicher genutzt werden kann, um bei erhöhtem Energiebedarf dem Netz wieder Energie zurückzugeben. Gleichzeitig kann durch den Einsatz von intelligenten Batterien Strom zu kosten- und netzgünstigen Bedingungen entnommen werden, beispielsweise über Nacht oder zu Überproduktionszeiten. (2)

Auch ein mögliches Zukunftsszenario: Die Nutzung der E-Autobatterie im Falle eines Stromausfalls. In einzelnen Fällen ist dies bereits möglich, gibt es jedoch großflächig bzw. bei mehr Modellen die Möglichkeit diesen Ladestrom wieder in den Haushalt zurückzuleiten, so könnten zur Überbrückung notwendige Geräte, wie Kühlschrank, Herd oder Wasserfilter, betrieben werden.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass der Strombedarf durch einen – idealerweise geplanten – ganzheitlichen Umstieg auf strombetriebene Fahrzeuge steigt, doch durch einen permanenten Ausbau von erneuerbaren Energien kann dieser gut bewältigt werden. Besonders wenn die Effizienz noch weiter erhöht wird, der Individualverkehr verringert und der öffentliche Verkehr ausgebaut sowie neue intelligente Technologien inkludiert werden.

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