Mit Herzblut zum Erfolg – die Entstehung der AVA-App

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Nachhaltigkeit beginnt mit dem Individuum – mit diesem Claim präsentiert sich seit November 2022 die AVA-App der Salzburg AG. Entwickelt von einem kleinen Kernteam, das sein gesamtes Herzblut in die Sache steckt, soll die Anwendung den Nutzer:innen dabei helfen Kosten zu sparen, mehr nachhaltige Energie zu nutzen und das Thema Energie besser zu verstehen.

lebenswelten hat mit Max Knot, Product Owner Business, und Laura Knoth, Data Engineer, des AVA-Teams über die Entstehung, die Entwicklung und die Motivation hinter der App gesprochen.

Salzburg AG Mitarbeiter:innen Max Knot (Product Owner AVA) und Laura Knoth (Product Owner AVA) im Portrait, Salzburg, Österreich. © Georg Kukuvec/Salzburg AG
Max Knot, Product Owner Business, und Laura Knoth, Data Engineer, arbeiten mit vollem Elan an der Entwicklung der App AVA.

lebenswelten: Wie kam es zur Idee für AVA?

Laura: Das Ganze ist aus einem Vorprojekt entstanden, das im Zuge des Smart Meter Rollouts gestartet wurde. Dabei ging es um die Frage, wie den Kund:innen die digitalen Informationen am besten bereitgestellt werden können. 2021 sind Max und ich hinzugestoßen als Innovationsmanager bzw. Data Engineer und das Projekt hat sich über mehrere Workshops weiterentwickelt. Es hat sich im Prozess herausgestellt, dass die Ursprungsidee nicht umsetzbar ist, daher gab es einen Shift hin zu dem, was heute AVA ist.

 

lebenswelten: Wie ist es nach dem Shift dann weitergegangen?

Max: Wir waren im Wesentlichen immer ein Kernteam von vier Personen: Bernhard Castellazzi, Manfred Wittmann, Laura und ich. Dabei haben wir von der Ideenkreation, zur Entwicklung, über die Umsetzung bis hin zur Evaluierung alles selbst abgedeckt. Das war auch nur möglich, weil uns das Management einen großen Vertrauensvorschuss gegeben hat. Wir konnten sehr frei an der Entwicklung von AVA arbeiten. Im Laufe des Projektes sind dabei immer wieder Kolleg:innen oder Praktikant:innen dazugekommen und wieder weggegangen, doch alle haben uns auf ihre eigene Art bereichert. Durch die agilen Teams und Arbeitsweisen hatten wir zwar immer viele Freiheiten, jedoch gleichzeitig auch immer ein Problem mit personellen Ressourcen. Und daher haben manche Prozesse länger gedauert als notwendig.

Laura: Ich denke wir konnten das alles nur schaffen, weil wir alle für das Thema brennen. Niemand pocht darauf, was in der Jobbeschreibung steht. Jede:r hat alles, was irgendwie angefallen ist und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten lag einfach gemacht. Ansonsten hätten wir es nicht so rasch zu einer funktionalen Beta-Version geschafft. Dadurch haben wir einen extrem starken Team-Spirit entwickelt.

Max: Genau, und so ist auch ein Start-up Feeling entstanden – wir sind quasi unsere eigene kleine Einheit innerhalb der Salzburg AG, die an ihrem eigenen Produkte arbeitet und dieses gestalten kann. Wir sitzen zusammen und arbeiten jeden Tag ganz eng an unserem Produkt. Es fühlt sich für mich nicht so an als ginge ich in die Salzburg AG, sondern als ginge ich in unser Start-up um die Innovation voranzutreiben.

 

lebenswelten: Wie sieht der Markt für solche Anwendungen aus?

Laura: Eine Anwendung wie AVA gibt es in dieser Form unseres Wissens nach noch nicht am Markt. Unser USP ist der Faktor Zeit: Die meisten Produkte können die Nutzung von Energie in der Vergangenheit bzw. im Live-Betrieb analysieren. Der Ansatz von AVA hingegen ist folgender: Die Vergangenheit können wir nicht ändern, die Zukunft sehr wohl. Daher gehen wir in den Forecast. Was passiert in den nächsten 24 Stunden? Wie kann die Energie in dieser Zeit am effizientesten genutzt werden? Hier können Schritte gesetzt werden, etwa Elektrogeräte auf eine PV-intensive Zeit einstellen oder die Wäsche bei strahlendem Sonnenschein direkt hinaushängen, um möglichst nachhaltig zu agieren.

Max: Unsere Inspiration dahingehend war von Beginn an die george-App einer bekannten Österreichischen Bank. Eine Anwendung die alles in sich vereint, was Kund:innen für ihre Finanzen benötigen – von der Kreditverwaltung über Online-Banking. Etwas ähnliches wollen wir mit AVA im Bereich des Energie-Managements schaffen. Die Leute wollen mehr wissen als nur wie viel sie am Ende des Jahres für die konsumierte Energie zahlen. Transparenz, Überblick und Kontrolle was mit der Energie passiert und wie Prozesse optimiert werden können – das interessiert die Menschen heute.

Smartphone mit der AVA-App. © Salzburg AG
Die App ist aktuell bereits in der Beta-Version in allen gängigen App-Stores zum Download verfügbar.

lebenswelten: Ist das Startup-Feeling innerhalb der Salzburg AG ein Vor- oder Nachteil?

Laura: Sowohl als auch. Einerseits ist es richtig toll, dass wir im Haus bereits auf so viel Expertise zurückgreifen können. Anfangs hatten wir etwa ein erweitertes Kernteam mit Kolleg:innen aus relevanten Themenfeldern des Unternehmens, die ihr Know-How eingebracht haben. Andererseits bestehen in einem Konzern natürlich auch immer Strukturen, die Prozesse verlangsamen. Es hat bei einigen Projektschritten mehrere Anlaufstationen gebraucht, um die richtigen Informationen oder Freigaben zu erhalten.

Max: Für mich ist es eine angenehmen Überraschung, als ich zur Salzburg AG gekommen bin dachte ich nicht, dass wir so frei arbeiten können. Man ist ja doch Teil eines Konzerns – dass hier dennoch eigene Ideen eine solche Unterstützung erhalten, ist wirklich großartig. Man könnte sagen: wir genießen die Vorzüge des Konzerns, ohne alle starren Wege gehen zu müssen. Es ist ein sicheres und stabiles Arbeitsumfeld, wir haben einen großen Expert:innen-Pool und müssen uns nicht mit klassischen Start-up Problemen herumschlagen. Natürlich hat das Produkt mittelfristig auch ein monetäres Erfolgsziel, doch im ersten Schritt haben wir mehr Unterstützung und weniger Existenzdruck, als dies in einem Start-up der Fall wäre.

 

lebenswelten: Wie ist der Entwicklungsprozess von AVA verlaufen bzw. welche weiteren Schritte stehen an?

Max: Wir sind hineingestartet mit dem Ziel, der Vision, unseren Kund:innen mehr Einblick in die idealen Zeiten der Stromnutzung bieten zu können. Unsere Zielgruppe zum Start von AVA waren die Prosumer, sprich Menschen die eine PV-Anlage haben und demnach Strom erzeugen und auch verbrauchen. Wir haben im November 2022 die Beta-Version in den Appstores gelauncht und damit bereits tolle Download- und Nutzungsdaten erzielt. Seither hat sich jedoch der Energiemarkt stark verändert und plötzlich sind es nicht mehr nur Menschen, die sich ohnehin mit modernen Technologien beschäftigen – die selbsterklärend auch Teil der Zielgruppe sind – , sondern praktisch Jede:r. Das Interesse an Energiethemen – Verbrauch, Herkunft des Stroms, Nutzungsoptimierung etc. – ist durch die Decke gegangen. Darauf reagieren wir nun mit einer Pivotierung von AVA, womit wir anstelle von 250 Tausend Haushalten mit PV-Anlage alle ca. 4 Millionen Haushalte in Österreich zu potentiellen Nutzer:innen machen.

Laura: Wir haben erkannt, dass wir sehr viel Potential liegen lassen, wenn wie die Energie-Consumer außen vor lassen. Wenn sich der Markt während einer Produktentwicklung so stark verändert, muss man dementsprechend bereit sein zu adaptieren. Inzwischen ist es nicht mehr nur wichtig, wo ich den Strom als Kund:in am günstigsten beziehe, sondern auch, dass mir ein Mehrwert geboten wird, damit ich bei der Salzburg AG bleibe. Mit AVA kann hier ein neues Vertrauen aufgebaut werden, indem Nutzer:innen zu einem bewussten Umgang mit Energie emanzipiert werden.

lebenswelten: Im Endeffekt erweitert AVA damit die Kompetenz der Kund:innen der Salzburg AG und bietet ihnen einen Mehrwert. Können so stärkere Kundenbindungen entstehen?

Max: Absolut, es ist extrem wichtig, unseren Kund:innen dabei zu helfen das Feld Energie besser zu verstehen. Das Thema Education ist essentiell, damit alle die Relevanz der Energiewende verstehen. Bisher ist man einmal im Jahr mit der Salzburg AG in Kontakt gekommen – zur Abrechnung und das war‘s. Hier haben sich die Interessen aufgrund veränderter Rahmenbedingungen deutlich verschoben. Und von wem sollten diese Informationen kommen, wenn nicht von einem Energieversorger selbst. Zudem müssen wir uns den Markt ansehen – immer mehr Unternehmen, wie etwas die ÖBB, beginnen ihren Strom dezentral selbst zu erzeugen. Auch Privatkund:innen gehen schrittweise immer mehr in Richtung einer Autarkie. Daher ergibt sich die Frage, wie kann sich die Salzburg AG hier platzieren um auch in Zukunft im Energiebereich erfolgreich zu bleiben. Einerseits gibt es ja bereits mit ENOX.Share das Thema Energiegemeinschaften, wo wir unsere Expertise zeigen können. Andererseits sind wir mit AVA digital und sehr nahe an den Kund:innen, was eine neue Art des Kontaktes und der Bindung sein kann.

Laura: Viele wollen auch nicht mehr blind das ganze Jahr Strom verbrauchen und dann einfach nur eine Gutschrift oder Nachzahlung erhalten. Es wird immer wichtiger unterjährig, im Idealfall auf Tagesbasis, auf gestiegenen Verbrauch reagieren zu können. Hier bietet der Smart Meter Rollout eine perfekte Basis für eine App, die den individuellen Stromverbrauch optimieren kann. So erreich wir nicht nur die Salzburg AG Kund:innen, sondern – da die intelligenten Stromzähler in ganz Österreich unabhängig vom Stromanbieter verbaut werden – erweitern zudem auch die Zielgruppe mit AVA deutlich. So kann die Salzburg AG künftig auch über die Bundeslandgrenzen aktiv sein und Nicht-Stromkund:innen mit Service versorgen.

Fakten & Daten zu AVA:

  • Entwicklungsstart: Anfang 2022
  • Go-Live Beta-Version: November 2022
    • Forecasts zur Vorsteuerung von Geräten
    • Wettervorhersage für nachhaltige Entscheidungen
    • Einbindung der Smart Home Anwendung von Loxone 

 

Aktueller Stand

  • Aktuelle Downloads: 1.141
  • Aktive Nutzer:innen: 243

 

Nächstes Update: geplant für Q2 2024

  • Design-Update
  • Inklusion neuer Funktionen wie:
    • Transparente Energiekosten
    • Stromverbrauch in kWh und EURO
    • Stromkostenprognose (Rückzahlung, Nachzahlung)
    • Anomaliedetektor (ungewöhnliche Stromverbräuche)

 

Du willst mehr über AVA erfahren oder die Beta-Version direkt ausprobieren? Dann schau vorbei auf der offiziellen Webseite.

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