„Hinter jedem Windrad stecken Jahre sorgfältigster Arbeit “

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Um von Energieimporten unabhängig zu werden und die Energiewende zu schaffen, ist der weitere Ausbau erneuerbarer Energieträger unumgänglich. Windenergie kommt hier eine besondere Bedeutung zu.

Salzburg ist traditionell ein Land der Wasserkraft, dennoch hat Wind aufgrund der Saisonalität eine besondere Bedeutung: Im Winter sind die Wasserpegel durch eine geringe Wasserführung niedriger. Es braucht somit alternative, erneuerbare Energieträger. Gerade in der kalten Jahreszeit weht aber verstärkt Wind: Die Stromerzeugung aus Windkraftanlagen ist um 70 Prozent höher als im restlichen Jahr. Wind ist somit die perfekte jahreszeitliche Ergänzung zu den bereits bestehenden Wasserkraftwerken und Photovoltaikanlagen. Das sehen auch Ulrich Kirchmayr und Christoph Angermaier so, Projektentwickler für Windenergie bei der Salzburg AG. lebenswelten sprach mit den beiden Experten über die Potenziale dieser erneuerbaren Energieform.

Windmessungsmasten in Faistenau © Marc Haader/Salzburg AG
Die Arbeit an den Windmessungsmasten finden in schwindelerregender Höhe statt. © Marc Haader/Salzburg AG

lebenswelten: Das Land Salzburg hat im Landesentwicklungsplan elf Vorrangzonen für die Windenergienutzung ausgewiesen. Unabhängig davon hat die Salzburg AG bereits einige konkrete Windenergieprojekte. Wie ist der Stand der Dinge?

Ulrich Kirchmayr: Wir arbeiten bei unseren Projekten intensiv an der Umsetzung – entweder alleine oder mit Partnerunternehmen wie zum Beispiel den Österreichischen Bundesforsten. Allerdings sind wir unterschiedlich weit. Bei einigen Standorten befinden wir uns in der Phase der Planung, bei anderen finden erste Windmessungen statt oder wir erstellen bereits die Unterlagen für die Umweltverträglichkeitsprüfung bzw. für Umwidmungen. Bei der Umsetzung ist die gute Zusammenarbeit mit Gemeinden und Grundstücksbesitzern entscheidend. Dafür wiederum braucht es einen intensiven Austausch und offene Gespräche.

 

lebenswelten: Wind ist vor allem in den Wintermonaten eine ideale Ergänzung zu Wasserkraft und Photovoltaik. Was spricht noch für den Ausbau dieser erneuerbaren Energieform?

Christoph Angermaier: Um ein Windrad zu errichten, muss nahezu keine Fläche versiegelt werden, weil die Fundamente so wenig Platz benötigen. Es ist somit die Energiegewinnungsform mit dem geringsten Flächenverbrauch.

Ulrich Kirchmayr: Außerdem hat Windenergie sehr geringe Stromgestehungskosten. Wenn der Standort gut ist, ist es die günstigste Form der Energiebereitstellung für uns als Gesellschaft. Und wie bereits erwähnt liefert Wind dann Energie, wenn Wasserkraft und Photovoltaik weniger produzieren, wie im Winterhalbjahr oder in der Nacht.

 

lebenswelten: Das Bundesland Salzburg soll bis 2050 klimaneutral und energieautonom sein. Windenergie hat dabei großes Potenzial. Derzeit gibt es allerdings noch kein einziges Windrad. Warum?

Ulrich Kirchmayr: Bis vor wenigen Jahren ist für viele Energieunternehmen der Zukauf von Strom günstiger gewesen als die eigene Produktion. Nun hat sich das Blatt gewendet. Würden wir Wind nicht ausbauen, müssten wir teuren Strom einkaufen und diesen ebenso teurer an die Kundinnen und Kunden weitergeben.

Windmessungsmasten in Faistenau © Marc Haader/Salzburg AG
Windmessungen laufen ein bis zwei Jahre © Marc Haader/Salzburg AG

lebenswelten: Wind ist nicht gleich Wind. Was zeichnet einen guten Standort für eine Windkraftanlage aus?

Christoph Angermaier: Wichtig ist natürlich, dass der Wind häufig und gleichmäßig weht. Es sollte möglichst geringe Turbulenzen, also keine starke Variabilität der Windgeschwindigkeiten geben, weil das zu Belastungen für das Windrad führen würde.

Ulrich Kirchmayr: Gleichzeitig sind auch andere Aspekte zu berücksichtigen: Der Standort sollte möglichst zugänglich sein. Es braucht also eine entsprechende Infrastruktur der Straßen für die Sondertransporte sowie auch Kranstellflächen. Und natürlich sollte die Netzinfrastruktur vor Ort passen, weil die erzeugte Elektrizität auch verteilt werden muss.

 

lebenswelten: Ist ein guter Standort gefunden, dauert es dennoch Jahre, bis sich dort ein Windrad dreht. Was ist so aufwendig bei der Planung?

Christoph Angermaier: Wir müssen umfassend erheben, wie die Windbedingungen vor Ort sind. Nur wenn genügend Wind weht, rentiert es sich, eine Windkraftanlage zu errichten. Außerdem sind zahlreiche rechtliche Aspekte zu beachten. Das Projekt gehört natürlich genehmigt und es braucht eine entsprechende Flächenwidmung. Außerdem sind viele Materiengesetze einzuhalten. Dazu zählt zum Beispiel, ob der Windpark verträglich ist mit den Anrainer:innen, etwa in Bezug auf Schall und Schattenwurf, sowie mit der vorhandenen Tier- und Pflanzenwelt.

Ulrich Kirchmayr: Das gesamte Projekt muss in Einklang mit Mensch und Natur sein und darf keine Rechte Dritter beeinträchtigen. Dementsprechend sind viele Expert:innen involviert wie zum Beispiel Vogelgutachter:innen, Geolog:innen, Hydrolog:innen oder Schallmesstechniker:innen. Sieht man ein Windrad in der Landschaft, kann man sich sicher sein, dass Jahre sorgfältigster Arbeit dahinterstecken und alle Auswirkungen genau geprüft wurden. Die Anforderungen sind sehr hoch.

 

lebenswelten: Windräder stießen in der Vergangenheit auf viel Gegenwind. Mit welchen Vorurteilen möchten Sie aufräumen?

Ulrich Kirchmayr: Wind schickt keine Rechnung. Wir können also aus dem Vollen schöpfen und brauchen lediglich die Anlagen zu bauen. Es handelt sich also um keine knappen Güter, auf denen ein kleiner Personenkreis sitzt und diese verkauft. Wind trägt damit zur Energieunabhängigkeit bei.

Christoph Angermaier: Windräder sind kein Spielzeug und wir bauen sie nicht mit Steuergeldern, um den ökologischen Fußabdruck der Salzburg AG zu reduzieren. Fakt ist, dass Windkraftanlagen wirtschaftlich sind und langfristig das günstigste, was man errichten kann. Mit jeder Umdrehung bleibt die Wertschöpfung vor Ort. Windkraft bedeutet somit eine kostengünstige und klimaneutrale Ausrichtung einer zukunftsorientierten Wirtschaft.

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