Wenn ein WasserkraftwerkFolgende Arten von Wasserkraftwerken gibt es in Österreich: • Laufwasserkraftwerke nutzen den natürlichen Fluss des Wassers, um Turbinen anzutreiben und daraus Elektrizität zu erzeugen. Sie… wie Stegenwald eröffnet wird, dann ist das in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderer Anlass! Darin sind sich alle Kolleg:innen, die von Verbund und Salzburg AG am Projekt beteiligt waren, einig. Aber damit es überhaupt so weit kommen konnte, wurden nicht nur 100 Millionen Euro investiert, sondern es haben sehr viele Menschen Jahre der intensiven Vorbereitung und Planung, Monate an herausfordernden Arbeiten und vor allem auch jede Menge Herzblut in dieses Projekt gesteckt! Und haben damit einen wesentlichen Beitrag auf dem Weg zur Energiewende, für Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit geleistet.
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Seit dem Spatenstich im Juni 2023 ist über das Wasserkraftwerk Stegenwald viel und oft berichtet worden: Zu Beginn über die lange Planungs- und Genehmigungsphase, die bereits vor mehr als 15 Jahren begonnen hat. Natürlich über die Investitionssumme in der Höhe von 100 Millionen Euro, die sich die Partner Verbund und Salzburg AG fifty-fifty teilen. Aber auch über die kurze Bauzeit von nur zweieinhalb Jahren, die trotz straffem Zeitplan und einmonatigem Bau-Stopp eingehalten werden konnte – übrigens genau wie das Budget. „Und das alles nicht zuletzt dank des großen Einsatzes aller Beteiligten!“, betont Herwig Berkenhoff (ET-EG BT), der die örtliche Bauaufsicht und Bauleitung für das Wasserkraftwerk Stegenwald innehat. Und er bestätigt: „Wir konnten Zeit- und Kostenplan einhalten und das Kraftwerk Stegenwald wie geplant am 26. September 2025 eröffnen!“
Die feierliche Eröffnung
Am 26. September war es dann so weit – gemeinsam mit dem VERBUND wurde das neue Salzachkraftwerk feierlich eröffnet. Diese innovative Wasserkraftanlage ist ein weiterer Meilenstein für die Energiewende im Bundesland Salzburg und setzt Maßstäbe für zukünftige Entwicklungen im Bereich der Wasserkraft. Das Kraftwerk liefert jährlich 74 Gigawattstunden planbaren grünen Strom für etwa 20.000 Haushalte.
Stegenwald ist bereits das siebte Kraftwerk, das aus der erfolgreichen Zusammenarbeit von Salzburg AG und dem VERBUND entsteht. Alle diese Kraftwerksanlagen tragen gemeinsam zur Erreichung der Klima- und Energieziele des Bundeslandes Salzburg bei und steigern dessen Energie-Resilienz.
Eine fließende Inbetriebnahme
„So ein Wasserkraftwerk“, erklärt Anlagentechniker Stefan Forsthofer (ET-EG AT), der für die Inbetriebnahme der elektrischen und leittechnischen Ausrüstung im Kraftwerk Stegenwald zuständig ist, „kann man ja nicht auf Knopfdruck am Tag der Eröffnung einschalten. Sondern das ist ein fortlaufender – im wahrsten Sinn des Wortes fließender – Prozess, der sich über einen Zeitraum von Wochen und Monaten hinweg erstreckt.“ So ist bereits im Frühsommer Maschine 2 im Probebetrieb gelaufen. Nach einigen Versuchen und Tests – vom ersten Andrehen über das Schicken von Wasser durch die Maschine, das langsame Steigern der Drehzahl bis hin zur Nenndrehzahl – konnte auch Maschine 1 schon im Sommer problemlos in Betrieb genommen. „Das haben wir gemacht, damit wir sehen, ob alles rund läuft, ob die Temperaturen im richtigen Bereich bleiben, ob alle Sensoren korrekte Daten liefern. Außerdem können wir im Probebetrieb kleine Störungen gut beheben und einzelne Parameter leicht nachjustieren.“
Ein bisschen wie Lego-Technik
Herwig Berkenhoff, der vor der Bauleitung im Kraftwerk Stegenwald bereits bei zwei Salzburg AG Wasserkraftwerken mitgearbeitet hat, erklärt den komplexen Prozess der Inbetriebnahme noch einmal anschaulicher: „Das ist ein bisschen wie bei Lego-Technik: Da baut man auch zuerst die Einzelteile zusammen und bevor man alles zum großen Ganzen zusammenfügt, probiert man, ob die einzelnen Komponenten miteinander funktionieren. Das wäre beim Kraftwerk quasi die Trockeninbetriebnahme, die ca. drei bis vier Wochen dauert.“ Stefan Forsthofer ergänzt: „Beim Wasserkraftwerk kommt dann die nasse Inbetriebnahme dazu, die noch mal ca. zwei bis drei Wochen in Anspruch nimmt. Man kann ja einen Generator nicht so einfach ans Netz nehmen.“ Was beeindruckend ist: In den Monaten vor der offiziellen Eröffnung wurden bereits rund 24 Gigawattstunden Strom erzeugt. Mit dieser Energiemenge ließe sich der Strombedarf von etwa 6.500 Haushalten für ein ganzes Jahr decken.
Innovatives Anlagenkonzept
Ganz genau hingeschaut hat man bei der schrittweisen Inbetriebnahme der beiden TurbinenFolgende Turbinen werden in Wasserkraftwerken eingesetzt: • Francis-Turbine: Die Francis-Turbine ist nach dem Ingenieur James B. Francis aus den USA benannt. Sie ist eine sehr universell einsetzbare Wasserturbine, bei welcher das Laufrad radial von außen… auch deshalb, da in Stegenwald erstmals in Österreich zwei vertikale Kaplan-Turbinen horizontal eingebaut wurden. Ein innovatives Anlagenkonzept, das in Zusammenarbeit mit der TU Graz entwickelt und umgesetzt wurde: „Dafür hat es mehrere gute Gründe gegeben“, erläutert Bauleiter Herwig Berkenhoff. „Dank des innovativen Turbinenkonzepts mussten wir nur ca. 15 Meter tief statt der sonst notwendigen 18 Meter graben. Drei Meter weniger, die uns geholfen haben, die Bauzeit zu verkürzen, Ressourcen und so Geld zu sparen“, bringt Herwig Berkenhoff einen Vorteil der waagrechten Einbauweise auf den Punkt.
Bereit für Extremwetterereignisse
Ein weiterer Pluspunkt, den diese Art des Anlagenbaus vor allem in Zeiten zunehmender Extremwetterereignisse mit sich bringt: Ein Hochwasser kann auch über die Krafthausfelder abgeleitet werden. „Dies ist erforderlich, weil auf Grund der engen Platzverhältnisse ein drittes Wehrfeld entfallen ist. Das war wiederum wirtschaftlich relevant und hat den Eingriff ins Landschaftsbild minimiert. Aufgrund der vielen Vorteile, die diese schnellere, kosteneffizientere und ökologischere Bauweise mit sich bringt, könnte sie ein Vorbild für zukünftige Wasserkraftwerke dieser Größenordnung sein“, so die Einschätzung von Anlagenspezialist Stefan Forsthofer. Bisher sei es – zum Glück – noch zu keinem wesentlichen Hochwasserereignis gekommen, das die Anlage so richtig auf die Probe gestellt hätte. „Circa 700 Kubikmeter Wasser pro Sekunde – das haben wir während des Probebetriebs schon gehabt. Aber das war kein Problem. Da ist noch Luft nach oben“, erzählt Stefan Forsthofer. Nur zum Vergleich: Im Normalbetrieb strömen etwa 200 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch die Anlage. Die genaue Durchflussmenge variiert jedoch stark in Abhängigkeit von Wetterlage und Jahreszeit.
Natürliches Kraftpaket
Schon Wochen vor der eigentlichen Eröffnung, ist im technischen Kraftwerk, das inklusive aller klassischen Kraftwerkskomponenten und des Leitstands, von dem aus das Kraftwerk gesteuert wird, unterirdisch errichtet worden ist, alles reibungslos gelaufen. Bei voller Leistung wird Stegenwald jährlich rund 73 Millionen Kilowattstunden grünen Strom für rund 20.000 Haushalte erzeugen. Und das alles, obwohl vom eigentlichen Kraftwerk von außen so gut wie nichts zu sehen ist. Denn um den Eingriff ins Landschaftsbild so gering wie möglich zu halten, wurden in enger Abstimmung mit der ökologischen Bauaufsicht auf den Flächen rund um das Kraftwerk und an den Uferböschungen zahlreiche Bäume, Büsche und anderes Grün angepflanzt. Diese sind jetzt im Herbst schon gut angewachsen und sprießen. „Auch der Wind bringt Samen mit sich. Spätestens nächsten Frühling“, meint Bauleiter Berkenhoff, „wird man nicht mehr merken, dass hier einmal eine Baustelle war.“
Neues Leben für alte Salzach
Dort, wo ursprünglich das Bett das Salzach verlaufen ist – also neben dem neu geschaffenen Flusslauf – wurde ein rund 500 Meter langes und 60 Meter breites Verbindungsgewässer geschaffen. Dieser sorgsam renaturierte Bereich ist in erster Linie eine natürliche Aufstiegshilfe für Fische, die damit die Höhendifferenz von acht Metern überwinden. Und im Fall eines Hochwassers finden die Wasserbewohner hier auch einen sicheren Rückzugsraum. Darüber hinaus bietet das mit Schotterbänken, Steinen und Holzstöcken naturnah gestaltete Gewässer neuen Lebensraum für Frösche, Libellen, Vögel und Pflanzen. Außerdem wurden im insgesamt fünf Kilometer langen Projektgebiet auch an den Ufern viele weitere ökologische Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt umgesetzt – von der Brutwand für Eisvögel bis zu Haselnusssträuchern für Haselmäuse. Herwig Berkenhoff freut sich über einen Erfolg, der sich bereits in den ersten Wochen nach der Errichtung eingestellt hat: „Eine geniale Maßnahme, die ich anfangs noch belächelt habe: Wir haben vier Meter hohe Buchen-Stämme senkrecht in den Boden geschlagen. Und bei einem Rundgang mit der Behörde haben wir festgestellt, dass sich in den Stämmen schon nach kurzer Zeit der streng geschützte Alpenbockkäfer angesiedelt hat. Ein wirklich imposantes Insekt!“
Nach der Eröffnung
Auch wenn das Kraftwerk Stegenwald nun offiziell eröffnet und der Betrieb an die Mannschaft der Salzburg AG übergeben wurde: Die Arbeit ist noch lange nicht zu Ende! „Beispielsweise bei der Fischaufstiegshilfe arbeiten wir noch an der Feinabstimmung einzelner Regelorgane. Mithilfe von Elementen wie dem Drehtor oder dem Zusatzdotationsschütz wird präzise gesteuert, wie viel Wasser in welchen Bereich des Fischaufstiegs geleitet wird. Diese Verteilung hängt jeweils vom Zufluss des Vortages ab – und das Verhältnis ist behördlich exakt vorgegeben. An diesem Softwarethema feilen wir noch“, berichtet Stefan Forsthofer von den versteckten technischen Finessen einer natürlichen Fischaufstiegshilfe. „Stefan und ich werden bis Jahresende sicher noch ab und zu in Stegenwald vorbeischauen, weil es immer wieder mal ein paar Punkte gibt, die wir abarbeiten müssen“, meint Herwig Berkenhoff. Vor allem in seiner Funktion als Bauleiter wird er in den nächsten Wochen und Monaten noch länger mit dem Projekt Stegenwald befasst sein: „Schritt für Schritt stehen noch die letzten Abrechnungen und natürlich die Schlussrechnung an – auch das fällt in meinen Aufgabenbereich. Und ein Thema, das noch ansteht, ist die sogenannte Kollaudierung. Also die behördliche Abnahme des Bauwerks. Und das kann manchmal dauern“, erzählt er mit einem verschmitzten Lächeln.
Teamwork für die Energiewende
Eine intensive Zeit also, die mit der Eröffnung für Herwig Berkenhoff, Stefan Forsthofer und alle anderen Kolleg:innen, die von Verbund und Salzburg AG am Projekt mitgearbeitet und das Wasserkraftwerk Stegenwald durch ihren unermüdlichen Einsatz über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren hinweg erst möglich gemacht haben. „An dieser Stelle möchte ich noch mal danke sagen – an alle aus unserem Team! Zeitweise waren bis zu 15 Leute vom Kernteam vor Ort. Und zu Spitzenzeiten haben auf dem Baustellengelände insgesamt bis zu 100 Menschen gleichzeitig gearbeitet – und alles hat reibungslos geklappt!“, freut sich Herwig Berkenhoff über das gelungene Teamwork. Auch Stefan Forsthuber schlägt in dieselbe Kerbe und meint: „Ein gutes Gefühl, dass wir alle gemeinsam mit dem Wasserkraftwerk Stegenwald einen Beitrag zur Energiewende leisten können.“ Und schmunzelnd fügt er hinzu: „Und ich schau ja ohnehin immer in der Zentrale auf unserm großen Bildschirm nach, wie es ‚unserem‘ Kraftwerk geht, ob alles läuft und wie viel Strom gerade produziert wird.“
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