Erfolgsdreieck für den Klimaschutz

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Die günstigste Energie ist die, die wir gar nicht erst verbrauchen. Angesichts der Energiekrise hat diese Aussage mehr Gültigkeit denn je. Doch warum fällt es uns so schwer, nachhaltig zu leben? Welche Anreize von Seiten der Politik und Wirtschaft braucht es dafür? lebenswelten sprach mit Umweltpsychologin Mag.a Dr.in  Daniela Renn über die Motivation, klimabewusst zu leben und zu handeln.

Öfter das Auto stehen lassen und kurze Strecken zu Fuß gehen, beim Einkaufen auf regionale Produkte setzen und Verpackungsmüll einsparen: Maßnahmen, um das Klima zu schützen, gibt es viele. Oft scheitert es allerdings nicht am Wissen darüber, sondern an der Motivation, auch tatsächlich klimabewusst zu leben. Geht es darum, Fahrgemeinschaften zu bilden oder mit dem Zug statt mit dem Flugzeug in den Urlaub zu fahren, sind Entschuldigungen für das eigene Nichthandeln schnell parat. Für Umweltpsychologin Daniela Renn ist das weder verwerflich noch verwunderlich, sondern schlicht menschlich. Sie sagt: „Wenn die eigene Betroffenheit nicht gegeben ist, uns die Folgen des Klimawandels also nicht direkt vor der Haustüre betreffen, ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass wir unser Verhalten ändern. Das gelingt nur, wenn wir ein größeres Bewusstsein dafür schaffen, was wirklich wichtig ist, und Anreize zum Umdenken geben.“

Mag.a Dr.in Daniela Renn, Umweltpsychologin aus Tirol
Mag.a Dr.in Daniela Renn beschäftigt sich seit vielen Jahren unter anderm mit dem Phänomen der Klimaangst.

Eigene Betroffenheit motiviert

Dieses Bewusstsein ist bei jenem Teil der Bevölkerung, der am Land wohnt, stärker ausgeprägt. „Hier sind die Menschen noch näher an der Umwelt dran und haben ein größeres Verständnis dafür, dass wir die Ressourcen schützen müssen“, so die Expertin. Um vom bloßen Wissen ins Handeln zu kommen, braucht es aber mehr: nämlich Motivation. Dabei macht es einen großen Unterschied, wie diese zustande kommt. So unterscheidet man zwischen der intrinsischen und der extrinsischen Motivation. In Bezug auf klimafreundliches Verhalten bedeutet das: „Die intrinsische Motivation kommt von der eigenen Bedürftigkeit und führt eher zu Handlungsschritten. Weil ich einen Bedarf bzw. eine eigene Not sehe, bin ich bereit, etwas zu ändern. Stehe ich etwa tagtäglich im Stau, begreife ich die Notwendigkeit von klimafreundlichen Verkehrsalternativen“, erklärt die Umweltpsychologin. Die extrinsische Motivation hingegen schafft von außen Anreize zu Verhaltensveränderungen, wie etwa monetäre Belohnungen, die man für Klimaschutzmaßnahmen erhält. Das Problem dabei ist: Man fällt leicht in alte Verhaltensmuster zurück, sobald die äußeren Anreize nicht mehr gegeben sind.

Die Summe macht den Unterschied

Um das Ernährungs-, Konsum- und Mobilitätsverhalten zu ändern, reichen das persönliche Engagement und die eigene Motivation alleine nicht aus. Auch die Politik und Wirtschaft sind in der Pflicht. „Nicht nur der einzelne Mensch zählt. Klimafreundliches Verhalten muss auch ermöglicht und gefördert werden“, hält Daniela Renn fest. Das betrifft den stetigen Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel genauso wie ein breites Angebot an klimafreundlichen Produkten. Diesbezüglich sind auch Unternehmen gefragt, denn Energiesparen funktioniert nur im Dreieck zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. „Firmen können gezielte Maßnahmen umsetzen. Dazu zählt die Bereitstellung von E-Autos oder E-Bikes, das Abschalten der Computer in der Nacht oder das Anbieten von regionalen Gerichten in der Kantine“, nennt die Expertin nur einige Beispiele. Auch wenn gewisse Dinge nichtig erscheinen, macht die Summe an Maßnahmen den Unterschied. „Oft sind es kleine Dinge, die einem das Gefühl geben, dass man selbst etwas tun und bewirken kann. Je mehr wir davon machen, umso mehr tragen wir zum großen Ganzen bei“, erklärt die Umweltpsychologin. Das Gefühl der Hilflosigkeit, das der Klimawandel und die Energiekrise mitunter hervorrufen, lässt sich damit in ein Gefühl der Kontrolle verwandeln.

 

Um das eigene Denken zu ändern, sollte man sich auch immer vor Augen rufen, was im Leben wirklich zählt. „Wenn wir uns wieder auf das Wesentliche besinnen, kehren wir automatisch zur Natur zurück. Das klingt einfach und ist auch so“, sagt die Expertin. Nicht zu vergessen ist ein weiterer Punkt: Wer das eigene Verhalten nachhaltig zum Positiven wenden möchte, braucht einen langen Atem. „Es dauert circa drei bis fünf Jahre, um Gewohnheiten langfristig zu ändern, also vom ersten Gedanken bis zum Handeln. Das ist ein langer Zeitraum“, hält Daniela Renn fest. Je eher man also beginnt, das Leben klimabewusster zu gestalten, umso besser.

Blick vom Kraftwerk Kreuzbergmaut, Nähe Bischofshofen und Pfarrwerfen
Das Bewusstein für den Klimaschutz ist heutzutage in der Bevölkerung stärker verankert als je zuvor.

Aktiv gegen Klimaängste

Hier hätten Kinder und Jugendliche einen klaren Vorteil: Sie wachsen heute mit einem größeren Bewusstsein für den Klimaschutz auf. Dass diese Gruppe auch besonders oft von sogenannten Klimaängsten betroffen ist – also dem Gefühl, dass die Welt kein guter Platz zum Leben bzw. Überleben ist –, hält Daniela Renn für „medial aufgebauscht. Kinder und Jugendliche machen sich vielmehr Sorgen, was ein qualitativer Unterschied zu Ängsten ist. Hier in Österreich leben wir noch in einem vergleichsweise wenig vom Klimawandel betroffenem Land. Klimaangst bedeutet in anderen Regionen etwas gänzlich anderes. Wenn ich direkt vor der Haustüre die Auswirkungen des steigenden Meeresspiegels spüre, ist die Angst natürlich größer.“ Doch was hilft dagegen? Auch wenn Ängste negativ behaftet sind, haben sie eine wichtige Schutzfunktion. Die Psychologin dazu: „Die Angst vor Klimakatastrophen könnte umgekehrt heißen, dass sie mich dazu bringt, Dinge anders zu gestalten, damit ich länger überleben und leben kann.“ Sorgen und Ängste können somit auch motivieren, selbst aktiv zu werden und sich des Klimawandels und der Folgen bewusst zu sein.

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Bei einem solch spannenden Thema freuen wir uns auch über eure Meinung als Leser:innen! Schreibt uns doch unter lebenswelten@salzburg-ag.at die Antworten auf folgende Fragen:

  • Gestaltest Du Dein Leben bereits klimabewusst? Wenn ja, wie schaffst du das?
  • Hast Du „Klimaangst“ selbst bereits erlebt? Wenn ja, wie bist du damit umgegangen?
  • Setzt Du in Deinem Alltag bewusst Maßnahmen, um das Klima zu schützen? Wenn ja, welche?

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