„Von der Energiewende zur Energiebewegung.“

Lesezeit: 5 Minuten

In ihrer Arbeit geht es um Zukunftsthemen wie etwa die Reduktion der CO2-Emissionen, den Green Deal der EU oder das Erreichen der gesteckten Erneuerbaren Ziele bis 2030. Fragestellungen, die sie als studierte Meteorologin auch im Privaten antreiben. Silvia Gailer arbeitet bei der Salzburg AG an energiepolitischen und energiewirtschaftlichen Themen im regionalen und EU-weiten Setting und meint: „Ohne EU wären wir bei Maßnahmen gegen den Klimawandel noch nicht so weit“. lebenswelten hat genauer nachgehakt.

lebenswelten: Was genau meinst du damit?

Silvia Gailer: Die EU hat als übergeordnetes Ziel den Green Deal verabschiedet. Der Pfad zur Klimaneutralität und der Senkung der CO2-Emissionen steht und wird Schritt für Schritt umgesetzt. Für eine Richtlinie hat das Mitgliedsland ein gewisses Zeitfenster, um sie in nationales Recht umzusetzen, eine Verordnung ist unmittelbar anwendbares Recht.

Das heißt, die großen Stellschrauben liegen in der EU, aber auch Österreich hat sich sehr ambitionierte Ziele gesetzt. Daher ist es wichtig sich als Energieversorger hier aktiv einzubringen und unsere Positionen, unsere Erfordernisse unterzubringen.

 

lebenswelten: Wie kann man sich das vorstellen?

Silvia Gailer: Das läuft über die Branchenvertretung, das jeweilige Ministerium und auch über Interessensvertretungen wie etwa die Wirtschaftskammer oder Arbeiterkammer, um nur die wichtigsten zu nennen. Wir sind dann mit allen relevanten Organisationen in Kontakt und diese kippen dann die Positionen über die Vertretung in Brüssel ein.

Die einzelnen Mitgliedsstaaten haben oftmals ganz unterschiedliche Ausgangspositionen, da prallen verschiedenste Interessen aufeinander. Letztendlich ist es immer ein Kompromiss, der dann zur Umsetzung kommt.

 

lebenswelten: Wenn wir uns jetzt das EAG, das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, ansehen. Was ist darin vorgesehen?

Silvia Gailer: Das EAG ist ein Meilenstein für die erneuerbare Stromerzeugung und regelt u.a. die sogenannten Energiegemeinschaften. In Österreich gibt es bis zum Jahr 2030 bereits klare Ausbauziele. Bis dahin soll der Stromverbrauch bilanziell zur Gänze aus Wasser-, Sonnen- und Windkraft kommen. Damit wir das in Österreich schaffen, muss die Energiewende zu einer Energiebewegung werden. Wir müssen die Bürger:innen einbinden, damit sie verstehen, warum diese Schritte notwendig ist. Hier werden Energie- und Bürgerenergiegemeinschaften eine wichtige Rolle spielen, gerade bei Photovoltaik-Anlagen.

Beim Thema Wasserkraft schaut es anders aus, denn die meisten Flüsse sind ausgebaut, da gibt es nur mehr wenig Potential. Außerdem sind das meist Großprojekte die Jahre dauern bis sie eventuell umgesetzt werden. Hier setzen wir mit Repowering an, etwa mit dem Erhöhen der Staumauern oder der Fallhöhe sowie dem Einsatz effizienterer Maschinen. Beim Thema Windkraft gibt es ebenfalls ein klares Bekenntnis des Landes zum Ausbau der Windkraft im Landesentwicklungsprogramm.

lebenswelten: Du bist ja studierte Meteorologin. Wenn du dir die klimatischen Auswirkungen dieses Sommers in weiten Teilen Europas ansiehst, was kommt dir da in den Sinn?

Silvia Gailer: Es ist eine hochkomplexe Situation. Wir brauchen die Erneuerbaren Energien, durch den Klimawandel sind wir aber auch schon an Grenzen gestoßen. Das zeigt sich beispielsweise für die Wasserkrafterzeugung in der Veränderung der Niederschlagssituation, die zwischen Starkregen und Trockenheit pendelt. Ja, es passiert starke Veränderung, ganz klar, aber der Mensch ist flexibel und die Natur kann sich regenerieren. Wir werden bei den bewohnbaren Gebieten mehr auf drohende Naturereignisse achten müssen und vielleicht nicht mehr alle Dinge machen können.

 

lebenswelten: Welche Rolle spielt hier die Salzburg AG gerade unter dem Gesichtspunkt der Energiegemeinschaften?

Silvia Gailer: Für uns steht die erneuerbare Stromerzeugung im Vordergrund und wie wir diese noch effizienter gestalten können. Energiegemeinschaften sind in dem ganzen Setting ein weiterer Puzzlestein, aber mit einer wichtigen Rolle – sie demokratisieren die Energieerzeugung und –verteilung. Im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, kurz EAG, wurden dafür klare Regeln geschaffen, wodurch die Bürger:innen neue Möglichkeiten und mehr Mitspracherecht erhalten. Der Energieversorger kann dabei seine Stärken als Dienstleister über Beratung, Vertragsunterstützung sowie Abrechnungsleistung einbringen oder auch sein Know-how bei der Wartung von Stromerzeugungsanlagen anbieten.

lebenswelten: Wenn wir uns jetzt ein großes Bild für die Zukunft vorstellen. Wie schaut dieses aus?

Silvia Gailer: Wir sind ein Green-Tech-Unternehmen, wir verfolgen klar das Ziel des Decarbonizers, also der Reduktion von CO2. Im Strom haben wir schon einen hohen Anteil an Erneuerbaren Energien. Das reicht nur noch nicht aus. Hier müssen wir draufbleiben. Wir suchen nach potentiellen Windkraftstandorten, wir sind an Wasserkraftanlagen dran. Photovoltaik-Anlagen verkaufen wir derzeit vermehrt an unsere Kund:innen, aber wir brauchen auch große Photovoltaik-Standorte. Das ist noch ein zäher Weg. In vielen Gesprächen muss die Bevölkerung überzeugt werden, dass solche Anlagen das Landschaftsbild ändern aber gleichzeitig eine notwendige Entwicklung zur Sicherung der Versorgung und Erreichung der Klimazeile darstellen. Gerade bei großen Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen braucht es viel Überzeugungsarbeit in der Bevölkerung. Vielleicht hilft uns die derzeitige energiepolitische Situation bei der Akzeptanz solcher Projekte. Skiliftstützen schauen ja auch nicht unbedingt schön aus.

Und ich möchte noch auf das Thema Fernwärme zu sprechen kommen. Da arbeiten wir mit Hochdruck an der Dekarbonisierung und sind gemeinsam mit dem Land auf einem guten Weg. Bis 2030 wird unsere Fernwärme bereits zur Hälfte aus klimaneutralen Quellen kommen, bis 2050 wird sie komplett CO2-frei sein. Dazu prüfen wir derzeit verschiedenste Erzeugungstechnologien, wie beispielsweise Biomasse, Wärmepumpe, Geothermie oder erneuerbare Gase. Wir machen Fortschritte und nehmen unsere Verantwortung als Green-Tech-Unternehmen in diesem Zusammenhang sehr ernst.

Ähnliche Beiträge

Rendering des 2025 fertiggestellten Wasserkraftwerkes Sulzau der Salzburg AG. © zuchna Visualisierung

Kraftwerk Sulzau: Klein, aber fein

Mitte 2025 treibt das Wasser des Obersulzbaches über eine 2 Meter Druckrohrleitung die Turbinen im Krafthaus Sulzau an, aber nicht nur das.

Weiterlesen