Dekarbonisierung: Warum sie so wichtig ist und was dahintersteckt

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Wer von Energiewende spricht, landet schnell beim Stichwort Dekarbonisierung. Was meint der sperrige Begriff eigentlich genau? Und welche Rolle spielt das im Zusammenhang mit unserer Wärmeversorgung? Hier kommen die Fakten.

Inhaltsverzeichnis

In Dekarbonisierung steckt das Wort „carbon“, die englische Bezeichnung für Kohlenstoff. Das chemische Element ist nicht nur unverzichtbarer Baustein jeden organischen Lebens, es begegnet uns in vielfältiger Form auch in der unbelebten Natur – selten und wertvoll als Diamant oder so alltäglich wie das Graphit im Bleistift.

Dass sich Kohlenstoff von „carbo“, der lateinischen Bezeichnung für Holzkohle, ableitet, bringt uns direkt zu seiner Bedeutung in puncto Energiewende: Er kommt auch in den fossilen Brennstoffen Kohle, Erdöl und Erdgas vor und wird beim Verbrennen in Form von Kohlendioxid (CO2) frei.

Mit Dekarbonisierung (auch Entkarbonisierung) ist demnach eine Energiewirtschaft gemeint, die sich darauf konzentriert, auf lange Sicht ganz ohne Kohlenstoff auszukommen. Der Umstieg auf die erneuerbaren Energieträger Sonne, Wind und Biomasse soll CO2-Emissionen und damit den Treibhauseffekt bzw. die globale Erwärmung stark reduzieren.

Umbau des Energiesystems: ein enormer Kraftakt

Laut Pariser Klimaabkommen von 2015 will die Staatengemeinschaft die Erderwärmung langfristig auf deutlich unter 2° C gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzen. Um das zu erreichen, müssen die Industrieländer bis Mitte des Jahrhunderts weitgehend auf fossile Energieträger verzichten.

Österreich will die Dekarbonisierung noch schneller schaffen und bis 2040 komplett klimaneutral sein. Der dafür nötige Umbau des Energiesystems innerhalb von nur 17 Jahren bedeutet: erneuerbare Stromproduktion verdoppeln, Leistung des Stromnetzes verdreifachen und starke Stromspeicher schaffen (um die Schwankungen abzufedern, die jahreszeitlich bedingt bei der Energieerzeugung mittels Sonne und Wind auftreten).

An diesem enormen Kraftakt führt allerdings kein Weg vorbei: Mit 2,3° C war der Temperaturanstieg hierzulande im Vorjahr rund doppelt so hoch wie im globalen Mittel – laut Klimamodellen hält diese Entwicklung gerade in sensiblen Alpenregionen weiterhin an.

Heizen verursacht 10% der CO2-Emissionen

Eine Trendwende ist allen bisherigen Anstrengungen zum Trotz noch nicht in Sicht. 2021 wurden laut Umweltbundesamt 77,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent* in Österreich ausgestoßen, das ist um 5 % mehr als im Jahr davor. Rund ein Zehntel der gesamten Emissionen entfällt auf den Gebäudebereich, wo Raumwärme und Warmwasser noch immer zu 40% über fossile Energieträger bereitgestellt werden.

Mit dem Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWG) will die Regierung die Raumwärme bis 2040 dekarbonisieren. Sobald das Gesetz in Kraft ist, darf es in Neubauten keine Gasheizungen mehr geben, der Ausstieg aus Öl ist bis 2035 geplant.

*CO2-Äquivalent ist die Zahl, die angibt, wie stark ein Gas in einem bestimmten Zeitraum im Vergleich zur selben Menge CO2 zur Erderwärmung beiträgt.

Öko-Fernwärme: sauber, sicher, nachhaltig

Insgesamt ist man im Gebäudesektor aber schon auf einem guten Weg: Zwischen 1990 und 2021 sanken die Emissionen hier um knapp 30 % – das ist nicht zuletzt dem Ausbau von Fernwärme zu verdanken.

Dabei wird in einem zentralen Kraftwerk Wasser erhitzt, der entstehende Dampf treibt eine Turbine an, die Strom erzeugt. Das Heißwasser wird über ein Rohrsystem an die angeschlossenen Haushalte verteilt. Großer Pluspunkt des Systems ist die zukunftssichere Versorgung, denn zum Befeuern eignen sich verschiedenste Brennstoffe – von Biomasse über Müll bis zum „grünen Gas“ Wasserstoff. Auch die Abwärme aus Gewerbebetrieben lässt sich zum Heizen nutzbar machen.

Kunden bringt die saubere, nachhaltige Wärmeversorgung noch weitere Vorteile: Sie brauchen sich beim Betrieb um nichts mehr zu kümmern, die Heizung ist platzsparend und rechnet sich langfristig. Den Umstieg auf die erneuerbare Heizform belohnen Bund und Land außerdem mit attraktiven Förderungen.

Grafische Beschreibung einer Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage © Alex Stieg / Salzburg AG
Grafische Beschreibung einer Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage © Alex Stieg / Salzburg AG

Neuer Meilenstein für CO2-freie Wärmeversorgung

Die Salzburg AG setzt alles daran, Fernwärme bis 2040 vollständig zu dekarbonisieren. Ein wichtiger Meilenstein dabei ist das Ende Oktober 2023 eröffnete Biomasse-Heizkraftwerk Siezenheim II. Die Anlage, die Hackgut als Brennstoff nutzt, spart rund 40 Tonnen CO2 pro Jahr ein.

Insgesamt steigt der Anteil CO2-freier Wärmeversorgung dank Siezenheim II auf 40 Prozent – somit ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaneutralität, der Salzburg wieder ein Stück weit unabhängiger von ausländischen Energieimporten macht.

Aktuell versorgt die Salzburg AG bereits 24.000 Kunden mit Bio-Fernwärme und baut ihr derzeit 300 Kilometer langes Verteilernetz sukzessive aus, im Norden bis nach Bergheim, im Süden über Wals-Siezenheim und Hallein bis nach Radstadt und Saalfelden.

Eine kompakte Zusammenfassung findest du im folgenden Video von Salzburg AG TV:

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