Wir haben mit drei Persönlichkeiten aus Salzburg und dem Umland gesprochen, die auf verschiedene Arten Nachhaltigkeit in der Region prägen. Wie sehen sie die Zukunft? Welchen Einfluss haben sie in ihren unterschiedlichen Wirkungsbereichen – von Tourismus, über Trachtenmanufaktur bis hin zur Architektur? Und welche Handlungen setzen sie ganz bewusst? Denn Zukunft ist nicht, Zukunft macht man.
Inhaltsverzeichnis
Gastronom und Hotelier - Vitus Winkler
Vitus Winkler ist ein zweifach Michelin-Stern ausgezeichneter Gastronom und Hotelier aus St. Veit im Pongau. Die Region liegt ihm besonders am Herzen und das zeigt sich in seinem Arbeitsalltag. Vitus betreibt heute in vierter Generation zusammen mit seiner Frau Eva-Maria das familieneigene Vier-Sterne-Hotel Sonnhof by Vitus Winkler. In seinem Gourmetrestaurant »Kräuterreich – by Vitus Winkler« erweitert er zudem die Geschmackswelt seiner Gäste mit regionalen, bodenständigen und doch überraschenden Kreationen. Bekannte und seltene Kräuter aus den Alpen geben den Gerichten die nötige Freiheit für die ebenso extravagante wie natürliche Küche.
Wir haben ihm spannende Fragen über die Zukunft gestellt:
lebenswelten: Wie machst du Zukunft für Salzburg?
Ich schaue immer, dass die Region im Vordergrund steht. Auch wenn wir mit dem Sonnhof nur ein Hotel von vielen sind, ist es doch sehr wichtig die Produzenten vor Ort kulinarisch wie auch wertschöpfend einzubinden. Dabei geht es nicht nur um die Lebensmittel, die wir beziehen, sondern etwa auch um die Möbel im Hotel.
lebenswelten: Wie kann jede:r Einzelne einen Beitrag für die Zukunft leisten?
Wenn jeder Mensch etwas Kleines verändert, so ändert sich in Summe sehr viel zum Positiven für uns alle. Das Zentrale ist, dass wir beginnen umzudenken und die Nachhaltigkeit bewusst in unsere Entscheidungen einzubinden.
lebenswelten: Wo siehst du dich in Salzburg in 25 Jahren?
In 25 Jahren werde ich mich auf die Übergabe des Hotels vorbereiten. Hoffentlich kann ich hier diese tolle Aufgabe an eines meiner Kinder weitergeben. Auch sehe ich mich weiterhin im Bereich der Wildkräuterkunde – das ich die Kulinarik im Sonnhof auch weiterhin mit den Besonderheiten der Region aufwerten kann.
lebenswelten: Wie denkst du wird sich die Region rund um Salzburg verändern?
25 Jahre ist ein weiter Sprung – aber ich glaube, dass wir viel Potential haben, weil die Sommer noch wärmer werden aber wir den Vorteil des Regens aufgrund der Alpen haben. Durch die Täler und landschaftlichen Gegebenheiten glaube ich schon, dass wir unsere grüne Natur noch bewahren werden können. Daher denke ich auch, die vier unterschiedlichen Jahreszeiten werden uns bleiben, was ich sehr an Salzburg schätze.
lebenswelten: Welche Möglichkeiten siehst du für dich um Teil der Energiewende zu sein? Sei es durch Eigennutzung, Mitgestaltung oder neue Ideen.
Ich sehe mich als Zugpferd in der Region – vor allen Dingen als Inputgeber im Bereich der Kulinarik. Dass ich die regionale Natur auf den Teller bringen kann, seien es Kräuter, Wildpflanzen, Beeren oder Pilze. Hier kann man – wenn man in Maßen sammelt – unglaublich tolle regionale Kreationen schaffen. So zeige ich mit auf, dass man auch aus den Produkten der Region ganzjährig tolle Gerichte zaubern kann, gar nicht so viel aus dem Ausland importieren müsste und so wertvolle Ressourcen schonen kann.
Auch mit unserem Content-Creator Jonas hat sich Vitus die Zeit genommen, um über das Thema Zukunft zu sprechen:
Trachten und Kreislaufwirtschaft - Patricia Fichter
Patricia Fichter ist seit über 10 Jahren in der Trachtenbranche aktiv – vom Design über Einkauf bis hin zum Produktmanagement. Sie lebt Dirndl und widmet sich diesem traditionellen und zentralen Kleidungsstück mit DirndlFit auf eine neue Art und Weise. Durch den Fokus auf die Kreislaufwirtschaft, gibt sie ungetragenen Dirndln eine zweite Chance – durch Wiederverkauf, Upcycling und Recycling. So verbindet Patricia Tradition und Innovation – für mehr Wertschätzung, Nachhaltigkeit und Liebe zum Handwerk.
Wir haben ihr spannende Fragen über die Zukunft gestellt:
lebenswelten: Wie machst du Zukunft für Salzburg?
Ich gestaltet die Zukunft von Salzburg dadurch mit, dass ich alter Tradition eine neue Interpretation für die Zukunft gebe. Denn das Traditionelle ist sehr wichtig und durch meinen Input kann ich Bestehendes neu und spannend für die nächsten GenerationenEine Generation ist eine Gruppe von Menschen, die durch ihre Altersgruppe oder aufgrund geteilter historischer oder kultureller Erfahrungen eine zeitbezogene Ähnlichkeit haben.Im öffentlichen Diskurs sprechen… machen.
lebenswelten: Wie kann jede:r Einzelne einen Beitrag für die Zukunft leisten?
Kleinigkeiten machen hier den größten Unterschied. Mit dem Bewusstsein, was meine Entscheidungen bewirken, einkaufen zum Beispiel. Kaufe ich meine Getränke in einer Glasflasche oder greife ich zu Plastik? Viele solche kleine Entscheidungen können – wenn sie bewusst getroffen werden – auch von allen Personen einzeln einen Unterschied machen.
lebenswelten: Wo siehst du dich in Salzburg in 25 Jahren?
Ich sehe mich als fester Bestandteil und regionaler Partner und auch als Rolemodel für kommende Generationen. Denn meine Geschichte zeigt, man kann sehr viel erreichen – man muss nur anfangen.
lebenswelten: Welche Möglichkeiten siehst du für dich um Teil der Energiewende zu sein? Sei es durch Eigennutzung, Mitgestaltung oder neue Ideen.
Neue Ideen kann ich mir gut vorstellen, da ich auch bisher sehr innovativ unterwegs war. Und ganz wichtig, einfach ein Teil davon zu sein. Denn nur wenn viele hier mitziehen, lässt sich gemeinsam etwas Größeres bewegen.
Auch mit unserem Content-Creator Jonas hat sich Patricia die Zeit genommen, um über das Thema Zukunft zu sprechen:
Architektur und Städtebau - Christine Lechner
Christine Lechner führt das Architekturbüro Lechner & Lechner in der Salzburger Priesterhausgasse. Mit ihren unorthodoxen, interdisziplinären und ungewöhnlichen Arbeitsweisen lotet sie seit Jahrzehnten die Grenzen des Baudiskurses aus. Besonderen Wert legt Christine dabei auf den sensitiven Umgang mit Bestand sowie den Themen sparsamen Bodenverbrauch und nachhaltigem Städtebau.
Wir haben ihr spannende Fragen über die Zukunft gestellt:
lebenswelten: Wie machst du Zukunft für Salzburg?
Bei mir steht immer folgender Gedanke im Zentrum: „Wie kann das Praktische, Nützliche in etwas Schönes verwandelt werden?“ Das ist ein Zitat von Friedrich Schinkel, das mich sehr berührt hat, da es meine Arbeitswelt gut trifft. Wir verbringen mehr als 90 Prozent unserer Zeit in Gebäuden, daher ist es eine große Verantwortung, wie es uns darin geht. Zuerst Form der Mensch das Gebäude und dann das Gebäude den Menschen. Insofern gibt es hier eine hohe Verantwortung: Wie empfängt mich ein Gebäude? Welche Blicke ermöglicht es mir? Fühle ich mich darinnen gefangen oder habe ich eine Oase gefunden?
Ich achte in meiner Arbeit auf Nachverdichtung, sparsamen Bodenverbrauch, vertikale grüne Gärten, grüne Dächer sowie den Einsatz von Photovoltaik. Wie kann ein nachhaltiger Städtebau aussehen? Da gibt es ganz viele Instrumente, die hier zusammenspielen.
lebenswelten: Wie kann jede:r Einzelne einen Beitrag für die Zukunft leisten?
Zentral sind ein konstruktives Miteinander, ein sensitiver Umgang mit unserer Umgebung und unseren Ressourcen und ein sparsamer Bodenverbrauch. Auch eine Weiternutzung bestehender Gebäude ist relevant, da die Ressourcen und Energie dahin ja bereits geflossen sind. Und es fängt nicht erst bei der Haustechnik an, auch die Substanz des Gebäudes ist entscheidend, wenn es um die Nachhaltigkeit im Gesamten geht.
lebenswelten: Wo siehst du dich in Salzburg in 25 Jahren?
Ich sehe mich im Weiterbauen, eher beim Thema der Straßen. Mein ersten Eindruck von Salzburg als Volksschülerin war die Franz-Josef-Straße, dort habe ich bei meiner Großtante übernachtet. Und diese Straße, in der eigentlich alles Platz hat, hat mich beeindruckt. Eine Allee, die 20 Meter breit ist und deren Gebäude 20 Meter hoch sind, bietet Raum für Fußgänger, Radfahrer und Autos. Diese mündet einmal in den Kurpark und einmal Richtung Kapuzinerberg. So ist diese Straße für mich ein tolles Vorbild, denn es wurde auf den alten Stadtmauern ein Raum für alle geschaffen. Solche Themen finde ich sehr spannend.
lebenswelten: Wie denkst du wird sich die Region rund um Salzburg verändern?
Ich denke sie wird prachtvoller, schöner und grüner, wenn wir zusammen an die Zukunft denken und gemeinsam daran arbeiten.
lebenswelten: Welche Möglichkeiten siehst du für dich um Teil der Energiewende zu sein? Sei es durch Eigennutzung, Mitgestaltung oder neue Ideen.
Mischnutzung von Gebäuden, um den vorhandenen Platz bestmöglich auszunutzen und damit einen sparsamen Bodenverbrauch zu ermöglichen, sehe ich zentral. Ebenso möglichst kurze Wege durch die Städte und Regionen, die das Verkehrsaufkommen reduzieren. Und ganz wichtig steht immer im Mittelpunkt ein konstruktives und zukunftsgerichtetes Miteinander.
Auch mit unserem Content-Creator Jonas hat sich Christine die Zeit genommen, um über das Thema Zukunft zu sprechen:
Genauso wie Vitus, Patricia und Christine, kann jede:r Einzelne kleine Schritte für mehr Nachhaltigkeit setzten, bewusstere Entscheidungen im Umgang mit Ressourcen treffen und damit kollektiv viel für ein grünes Morgen tun. Denn: „Zukunft ist nicht, Zukunft macht man„.
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